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PM vom 08.03.2011Potsdam/Dresden/Schwerin/Erfurt – Über 35.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an den Warnstreikaktionen in vier Bundesländern - überwiegend aus dem Bildungsbereich - haben die Arbeitgeber aufgefordert, in der Tarifrunde für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes der Länder endlich ein Angebot vorzulegen. Sie verliehen damit auch der Forderung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nach einem Tarifvertrag zur Eingruppierung angestellter Lehrkräfte noch einmal Nachdruck. Die Gewerkschaften verlangen in der Tarifrunde Einkommenserhöhungen von durchschnittlich fünf Prozent. „Es ist ein sozialpolitischer Skandal, dass die Arbeitgeber im 21. Jahrhundert weiterhin nach Gutsherrenart einseitig über die Eingruppierung der Lehrkräfte entscheiden wollen. Sie sind offenbar entschlossen, das Zwei-Klassen-Recht im öffentlichen Dienst weiter fortzuschreiben – aber nicht mit uns. Die Beschäftigten haben heute die richtige Antwort gegeben und ein deutliches Signal an die Arbeitgeber gesendet“, betonte GEW-Verhandlungsführerin Ilse Schaad vor gut 12.000 Menschen bei der zentralen Veranstaltung in Potsdam am Dienstag. In Dresden gingen 17.000, in Schwerin 5.000 und in Erfurt über 1.000 Kolleginnen und Kollegen, überwiegend Lehrkräfte, auf die Straße. Rund 80 Prozent der Schulen in Sachsen blieben wegen der Warnstreiks geschlossen, in Mecklenburg-Vorpommern wurden 230 Schulen bestreikt. Insgesamt haben sich in den vergangenen drei Wochen rund 92.000 Beschäftigte an den Aktionen, zu denen die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes aufgerufen hatten, beteiligt.
„Mit roten Rosen und anerkennenden Worten lassen sich die Lehrerinnen insbesondere heute nicht abspeisen: Sie verlangen zu Recht die gleiche Bezahlung für gleiche Ausbildung und gleichwertige Arbeit. Seit Jahrzehnten werden Frauen in pädagogischen Berufen schlechter gestellt und bezahlt als Männer, werden viele Lehrerinnen trotz Hochschulabschluss’ niedriger eingruppiert als alle anderen Akademiker im öffentlichen Dienst“, sagte GEW-Verhandlungsführerin Ilse Schaad in Potsdam auch mit Blick auf den 8. März, den 100. Internationalen Frauentag.
Zu der Warnstreikaktion in der brandenburgischen Landeshauptstadt sind unter anderem auch viele GEW-Mitglieder aus Sachsen-Anhalt gekommen.
Die sächsische GEW-Vorsitzende Sabine Gerold hob in Dresden hervor: „ Nichts hat der Freistaat für die Lehrkräfte je freiwillig hergegeben. Mitgemischt hat er dafür kräftig, wenn es um eine Umverteilung zu Lasten der Beschäftigten im Schul- und im Hochschulbereich ging. Auch in der aktuellen Tarifrunde erleben wir nichts anderes. Dabei sind beste Arbeitsbedingungen im Schul- genauso wie im Hochschulbereich die beste Nachwuchsförderung. Ein anspruchsvoller Beruf, für den akademische Ausbildung und Vorbereitungsdienst verlangt werden, muss auch entsprechend vergütet werden. Wenn die Staatsregierung das nicht endlich begreift, wird sie nicht nur die guten Absolventen eines Lehrerstudiums verlieren, sondern auch ihre viel gepriesene Spitzenposition im föderalen Wettbewerb um die besten Bildungsergebnisse. Es gibt keine schlimmeren Schulden als Bildungsschulden, die wir den zukünftigen Generationen hinterlassen.“
„Die Beschäftigten haben keine Lust mehr, für die verfehlte Steuerpolitik der Arbeitgeber gerade zu stehen. Der Spardruck trifft die Pädagogen in mehrfacher Hinsicht. Sie sollen nach dem Willen der Arbeitgeber sowohl auf die ihnen zustehende Lohnerhöhung verzichten als auch weiterhin unter schlechten Bedingungen arbeiten. Darunter leidet die Motivation der Kolleginnen und Kollegen, aber auch die Anerkennung des Lehrerberufes in der Gesellschaft. Wer bereit ist, das in Kauf zu nehmen, macht dies auf Kosten künftiger Generationen“, unterstrich Annett Lindner, Vorsitzende der GEW Mecklenburg-Vorpommern, in Schwerin.
Torsten Wolf, Vorsitzender der GEW Thüringen, erklärte in Erfurt: „Im Bildungsbereich sind fast 70 Prozent der Beschäftigten Frauen. Sie arbeiten häufiger in Teilzeit und stemmen oft die Doppelbelastung Arbeit und Familie. Ihnen am Tag nach dem 100. Jubiläum des Internationalen Frauentages kein akzeptables Angebot in der Tarifrunde zu unterbreiten, ist eine erhebliche Missachtung der berechtigten Forderungen von Frauen nach gleichberechtigter Teilhabe am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben seitens der Landespolitiker!“
Info:
Ver.di, die Gewerkschaft der Polizei (GdP), GEW und dbb Tarifunion verlangen für die im öffentlichen Dienst der Länder Beschäftigten einen Sockelbetrag von 50 Euro und darauf aufsetzend eine Gehaltserhöhung von drei Prozent. Das entspricht einem Volumen von durchschnittlich fünf Prozent Lohnsteigerung. Für die angestellten Lehrkräfte soll zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik die Eingruppierung in eine Länderentgeltordnung (L-ego) durchgesetzt werden, die per Tarifvertrag geregelt ist. Vertragslaufzeit: 14 Monate. Die Arbeitgeber, die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL), haben diese Forderungen abgelehnt und auch in der zweiten Verhandlungsrunde Ende Februar kein Angebot vorgelegt.
Die dritte und letzte Runde zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern findet am 9./10. März in Potsdam statt.
Während der am Mittwoch in Potsdam beginnenden Tarifverhandlungen erreichen Sie GEW-Verhandlungsführerin Ilse Schaad per Handy unter: 0151/15134646 und GEW-Pressesprecher Ulf Rödde unter: 0160/90557232.