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08.03.2010

GEW: „Traditionelle Geschlechterrollen aufbrechen“

Bildungsgewerkschaft zum Internationalen Frauentag

Frankfurt a.M. - „Der Rechtsanspruch auf Familien-Pflegezeit muss so ausgestaltet werden, dass er die traditionellen Geschlechterrollen aufbricht. Wir brauchen stärkere Anreize, damit mehr Männer Familienpflichten übernehmen“, forderte Anne Jenter, für Frauenpolitik verantwortliches Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), anlässlich des Internationalen Frauentags am Montag. Die Idee einer gesetzlichen „Pflege-Teilzeit“ sei ein zaghafter und noch unausgegorener Versuch die gesellschaftliche Aufgabe zu lösen, wie die Pflege älterer Menschen gut organisiert werden kann. Es sei ein untauglicher Versuch, die Gleichstellung der Geschlechter voranzubringen.

Jenter verlangte ein gleichstellungsorientiertes Klima im Berufsleben, um für Frauen und Männer gleiche Lebenschancen zu realisieren. In dieser Frage müsse sich auch im Schulbereich Einiges ändern. „Teilzeit wird nach wie vor fast nur von Frauen in Anspruch genommen. Aber auch Männer müssen für Aufgaben in der Familie in die Pflicht genommen werden. Arbeitszeit aus familiären Gründen zu reduzieren, gilt immer noch als unmännlich“, sagte die GEW-Sprecherin. Rund 90 Prozent aller teilzeitbeschäftigten Lehrkräfte seien Frauen. Immer noch herrsche die unausgesprochene Erwartungshaltung vor, dass allein Frauen ihre Arbeitszeit für familiäre Pflichten reduzieren müssen. Dieser gesellschaftliche Kodex müsse aus der Tabuzone herausgeholt und durchbrochen werden. Die Anreize, Familienpflichten verantwortlich zu übernehmen, müssten so attraktiv sein, dass Männer diese gerne übernehmen.

Dazu trage die Idee für ein Familien-Pflegezeitgesetz von Ministerin Kristina Schröder (CDU) nicht bei. „Die geplanten Regelungen bedeuten für Beschäftigte Arbeitszeitreduzierung ohne Lohnausgleich. Dagegen mausert sich das Elternzeitgesetz zu einem Erfolgsmodell“, unterstrich Jenter. Immer mehr junge Männer übernähmen zeitweise verantwortlich familiäre Erziehungsarbeit. Für teilzeitbeschäftigte Eltern müsse das Gesetz jedoch nachgebessert werden.

Berufstätige, die Angehörige pflegen, dürften nicht schlechter gestellt werden als Erziehende in Elternzeit, sagte Jenter: „Wir brauchen ein Familien-Pflegegeld - vergleichbar dem Elterngeld.“ Das angedachte Pflegezeitmodell „zementiert die Rolle der Frau als Zuverdienerin“. Die Idee, halb zu arbeiten und halb zu pflegen, sei in der Realität sehr schwierig umzusetzen und nicht zu Ende gedacht.

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