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PM vom 03.06.2009Frankfurt am Main – ver.di und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) haben die Streiks im Sozial- und Erziehungsdienst ausgeweitet: Heute legten rund 16.000 Erzieherinnen, Sozialarbeiter und -pädagogen in Nordrhein-Westfalen, Hamburg, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein die Arbeit nieder. Die Beschäftigten machten sich mit ihren Streiks für einen Gesundheitsschutz-Tarifvertrag stark. Nach den bundesweiten Aktionen in den vergangenen Wochen wird jetzt im Wechsel in den Ländern gestreikt. Mit dieser Streikplanung wollen die Gewerkschaften die Eltern entlasten.
Norbert Hocke, für Jugendhilfe und Sozialarbeit verantwortliches GEW-Vorstandsmitglied, appellierte in einem Schreiben an die Kultus- und Jugendminister der Länder, sich an die Seite der Erzieherinnen zu stellen. „Mit den Kita-Bildungsplänen ist eine grundlegende Neuorientierung der frühkindlichen Bildung verbunden. Verstärkte Sprachförderung, Bildungsdokumentation, individuelle Förderung, Entwicklungsgespräche mit den Eltern, intensive Zusammenarbeit mit den Grundschulen sind nur einige Anforderungen, die auf Kindertagesstätten zukommen. Die Erzieherinnen haben diese Herausforderungen in den letzten Jahren mit großem Engagement angenommen. Sie haben dies im Vertrauen darauf getan, dass sich in nächster Zeit die Arbeitsbedingungen verbessern und sie für ihre gute Arbeit angemessen bezahlt werden. Tatsächlich hat sich in der Frage der Arbeitsbedingungen, etwa der Vor- und Nachbereitungszeit, der Gruppengröße und der Leistungsfreistellung kaum etwas zum Besseren gewendet. Das geht zu Lasten der Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, begründete Hocke seinen Vorstoß. Neuere arbeitsmedizinische Untersuchungen belegten, dass Erzieherinnen und Erzieher chronisch überlastet sind. Sie litten unter psychosomatischen Beschwerden und Erschöpfung.
Der größte Skandal sei jedoch die schlechte Bezahlung, hob Hocke hervor. Im Vergleich zum alten Bundesangestelltentarifvertrag (BAT) müssten Beschäftigte durch den Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) Gehaltsverluste in Höhe von rund 13 Prozent hinnehmen – trotz gestiegener Anforderungen.
„Wenn es nicht gelingt, vor der Sommerpause zu einem Verhandlungsergebnis zu kommen, ist absehbar, dass es zu Beginn des neuen Kita-Jahres in vielen Bereichen zu Einschränkungen in der Umsetzung der Kita-Bildungspläne kommen wird. Die Geduld der Erzieherinnen ist erschöpft“, unterstrich Hocke.
Für Donnerstag kündigte er in Nordrhein-Westfalen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen weitere Streiks an.