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PM vom 30.09.2011Frankfurt a.M. - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßt den Start des Materialkompasses für Schulen, den der Bundesverband der Verbraucherzentrale heute vorgestellt hat. „Verbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) zeigt Verantwortung und bringt ein bisschen Licht in den Material-Dschungel: Schulen sind schon zu lange mit den zahlreichen Unterrichtsmaterialien der Verbände und Lobbygruppen, die seit einiger Zeit die Einrichtungen überschwemmen, allein gelassen worden“, sagte Marianne Demmer, Leiterin des GEW-Vorstandsbereichs Schule, in Frankfurt a.M. mit Blick auf die Veröffentlichung des Kompasses. Sie verband dies mit einem Aufruf an die Bildungsministerien: „Wir brauchen neutrale öffentliche Stellen, die Unterrichtsmaterialien begutachten und empfehlen, damit Lehrkräfte eine Orientierung haben.“ Es dürfe nicht sein, dass Schulbücher ein formales Prüfungsverfahren durchlaufen müssen, für freie Unterrichtsmaterialien jedoch die organisierte Verantwortungslosigkeit herrscht.
Die GEW beobachte seit Jahren den unübersichtlichen Markt von Unterrichtsmaterialien mit Sorge. Denn gleichzeitig würden die Etats für Schulbücher gesenkt, betonte Demmer. Vor allem Wirtschaftsunternehmen versuchten verstärkt, ihre Sicht der Welt in den Lernmaterialien unterzubringen. Deshalb seien die Materialien für einen umfassenden und ausgewogenen Unterricht oft nicht geeignet. Bestätigt sehe sich die GEW etwa durch die Bewertung der Materialien „My finance Coach“ des Allianz Konzerns, die im Materialkompass die Note 4 in einer Skala von 1 bis 5 erhalten. „Dass die Allianz-Materialien das Klassenziel eindeutig verfehlen, in Bayern aber offiziell in der Lehrerfortbildung eingesetzt werden, ist schon ein starkes Stück“, kommentierte die GEW-Schulexpertin.
„Viele Unterrichtsmaterialien aus der Finanz- und Versicherungswirtschaft suggerieren, die Wirtschafts- und Finanzkrise könnte einfach gelöst werden, indem Jugendliche zu klugen Aktienabnehmern erzogen werden“, ergänzte die Demmer. „Lobbyinteressen und Kommerz haben in Schulen nichts verloren!“
Info: Der Materialkompass der Verbraucherzentrale stellt Unterrichtsmaterialien zur Verfügung, die inhaltlich und methodisch auf ihre Verwertbarkeit für die schulische Vermittlung von Verbraucherkompetenzen hin überprüft wurden. Die Datenbank beschränkt sich thematisch auf Bereiche wie Finanzen, Medien, Ernährung und Konsum. Mehr Informationen finden Sie unter den Links in den rechts oben stehenden Infoboxen.