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PM vom 23.06.2008Frankfurt a.M./Berlin – Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat heute nachdrücklich vor einer Kommerzialisierung des Kita-Marktes gewarnt. Die Bildungsgewerkschaft lehnt die Gleichstellung öffentlicher und frei-gemeinnütziger mit privat-gewerblichen Trägern entschieden ab. „Wenn Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) privat-gewerblichen Trägern künftig die gleiche Finanzierung durch den Staat gewähren will, öffnet sie den Kita-Markt für profitorientierte Unternehmen und gibt ihnen einen Blanko-Scheck für Gewinne“, sagte GEW-Vorstandsmitglied Norbert Hocke als Sachverständiger während der Anhörung des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend des Deutschen Bundestages zum „Kinderförderungsgesetz (KiföG)“. Dies zerstöre den Grundgedanken, dass in Deutschland mit Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern keine Geschäfte gemacht werden.
Alle Träger stünden vor dem gleichen Problem: „Es fehlt an Personal“, sagte Hocke. Der jahrelang stiefmütterlich behandelte Beruf Erzieherin habe viele junge Menschen von einer Ausbildung abgeschreckt. Die schlechte Bezahlung und die kaum vorhandenen Entwicklungsmöglichkeiten hätten den Beruf unattraktiv gemacht. „Wenn es nicht schnellstens gelingt, den Beruf aus der Sackgasse zu holen, werden wir in wenigen Jahren nur noch Nachwuchskräfte haben, die auf dem Arbeitsmarkt nichts anderes gefunden haben“, betonte Hocke. Die GEW sei bereit, sich an einer Werbekampagne für das Berufsbild Erzieherinnen und Erzieher zu beteiligen. Allerdings müsse erkennbar sein, dass sich bei Ausbildung und Bezahlung Perspektiven eröffnen. „Erzieherinnen müssen deutlich besser bezahlt und an Hochschulen ausgebildet werden“, unterstrich der GEW-Sprecher.
Privat-gewerbliche Träger könnten sich leicht der Qualitätskontrolle entziehen, weil ihre Einrichtungen im Gegensatz zu den Wohlfahrtsverbänden keinerlei Fachberatung unterliegen. Für die kommunalen Jugendämter bedeute die Qualitätskontrolle in einem freien Kita-Markt enormen Aufwand. In jeder Kommune müsse eine neue Dienststelle für Kita-Qualität eingerichtet werden.
Hocke machte jedoch deutlich, dass die GEW das KiföG für erforderlich halte. „Nur so kann der politisch vereinbarte Ausbau von Kindertageseinrichtungen für unter dreijährige Kinder rechtlich geregelt werden“, sagte der GEW-Sprecher. Die Bildungsgewerkschaft begrüße, dass bis zum Jahr 2013 über 35 Prozent der Kinder, die jünger als drei Jahre sind, Plätze in Tageseinrichtungen erhalten und es ab dem 1. August 2013 einen Rechtsanspruch geben soll. Dies sei ein wichtiger Schritt, um Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren zu können. Es reiche allerdings nicht aus, diesen Anspruch auf eine halbtägige Betreuungsmöglichkeit zu reduzieren. „Das Ausbau-Programm muss genutzt werden, um mehr qualitativ hochwertige Ganztagsplätze zu schaffen“, forderte Hocke.