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PM vom 17.10.2007Frankfurt a.M./Bonn - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die Kultusministerkonferenz (KMK) davor gewarnt, Geld und Zeit für die Entwicklung einheitlicher Abiturstandards zu verplempern. „Der Antrag Hessens ist eine Luftnummer. Sie soll kaschieren, dass sich nicht einmal die unionsregierten Bundesländer in der Frage ‚deutsches Zentralabitur’ einig sind. Weil man nicht zugeben kann, dass der große Sommerloch-Auftritt einiger prominenter CDU/CSU-Ministerpräsidenten für das Zentralabitur ein Reinfall war, soll jetzt vier Jahre lang viel Geld für Standards in Mathematik, Deutsch und erster Fremdsprache vergeudet werden“, betonte die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer mit Blick auf die heute und morgen tagende KMK. Der staunenden Öffentlichkeit könne dann jeder Ministerpräsident entsprechend der eigenen Vorlieben erzählen, dies ist die Vorbereitung auf ein „deutsches Zentralabitur“ oder eben nur auf Vergleichsarbeiten ohne Prüfungsrelevanz.
„Die bundesweite Vergleichbarkeit der Abschlüsse ist gerade im Gymnasialbereich kein Problem. Dies hat auch das deutsche PISA-Konsortium mehrfach bestätigt. Seit vielen Jahren gibt es für nahezu alle Abitur-Fächer ‚Einheitliche Prüfungsanforderungen’ (EPA) der KMK“, begründete Demmer ihre scharfe Kritik. Neben konservativer Gesichtswahrung sei der Vorstoß vor allem auch eine Arbeitsbeschaffung für das Institut für Qualitätsentwicklung Berlin (IQB). Die Finanzierung des IQB laufe am 30. September 2009 aus. Die Entwicklung der Abiturstandards würde die Finanzierung mindestens bis 2011 sichern. Das IQB lassen sich die Bundesländer zurzeit jährlich ca. 2,5 Millionen Euro kosten.
Demmer bezeichnete die Abiturstandard-Debatte als „großes Ablenkungsmanöver“ von den wichtigen Fragen im Schulbereich. „Das eigentliche Problem der Gymnasien ist die überstürzte Verkürzung der Gymnasialzeit auf zwölf Jahre . Die Anpassung der Lehrpläne an die kürzere Schulzeit und vernünftige Lern- und Arbeitsbedingungen für Schüler und Lehrkräfte sind die Herausforderung. Dazu schweigt die KMK jedoch. Es ist Zeit, die Aktivitäten der KMK in die Qualitätssicherung einzubeziehen“, unterstrich die GEW-Vize. Modernes Qualitätsmanagement beginne aus guten Gründen oben in der Hierarchie, bei den Vorständen. Die explodierende Testeritis sei für Schulleistung und Chancengleichheit nicht förderlich. „Die individuelle Unterstützung der Schüler und eine grundlegende Reform der Lehreraus- und -fortbildung – das sind die Erfolg versprechenden Handlungsfelder“, sagte Demmer.