06.02.2008

GEW: „G-8: eine unausgegorene und verhunzte Reform!“

Bildungsgewerkschaft zur Reform des Gymnasiums: Unterricht in Ganztagsschulen neu organisieren oder Rückkehr zu 13 Schuljahren

Frankfurt a.M. - Als eine in den meisten Bundesländern „unausgegorene und völlig verhunzte Reform“ hat die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) die Reduzierung der gymnasialen Schulzeit von 13 auf zwölf Jahre (G-8) bezeichnet. Für eine sinnvolle Umsetzung des G-8 müsse der Unterricht in Ganztagsschulen neu organisiert werden und ein pädagogisches Konzept mit Lern- und Ruhephasen den gesamten Tagesablauf steuern. Genau diese Vorarbeiten hätten die meisten Bundesländer bei der überstürzten Einführung von G-8 jedoch nicht erbracht. „Es bringt gar nichts, wenn jetzt die bundesweit geltende Mindestgrenze von 265 Jahreswochenstunden von der Kultusministerkonferenz (KMK) gekippt und Lehrpläne zusammengestrichen werden. Im Gegenteil: Damit droht ein weiterer Qualitätsverlust - die Kürzungen werden vor allem die musischen und sportlichen Aktivitäten treffen“, sagte die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer am Mittwoch in Frankfurt a.M.. „In der Europäischen Union gibt es nur wenige Länder, in denen Schüler noch weniger Unterricht bis zum Abitur erhalten als in Deutschland. Mit dem G-8 führt sich der deutsche Sonderweg der Halbtagsschule selbst ad absurdum“, begründete sie ihre Position.

Demmer widersprach damit den Plänen des niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU). Dieser hatte angekündigt, in der KMK auf eine Reduzierung der Unterrichtsstunden zu drängen und die Lehrpläne zu entrümpeln.

Statt die bei PISA deutlich gewordenen Probleme des deutschen Schulwesens zu lösen, habe die überhastete G-8-Einführung diese vergrößert. „Das Gymnasium ist noch selektiver geworden“, sagte Demmer. Noch mehr Kinder und Eltern stünden heute unter einem noch stärkeren Druck, um im Unterricht mitzuhalten. „Die Nachhilfeindustrie boomt, Eltern werden in zunehmender Zahl zu „Hilfslehrern“, das familiäre Zusammenleben wird belastet. Die Kinder müssen auf Teile ihrer Aktivitäten außerhalb der Schule verzichten, wenn ständig Pauken angesagt ist. Man muss kein Prophet sein, um zunehmende gesundheitliche Beeinträchtigungen sowie eine steigende Zahl von Sitzenbleibern und freiwilligen Wiederholern vorauszusagen“, betonte die GEW-Vize.

Problematisch sei vor allem, dass die meisten Bundesländer die gesamte Last der Schulzeitverkürzung der 5. bis 9. Klasse aufgeladen hätten. Der Unterricht in der Unter- und Mittelstufe reiche bis tief in den Nachmittag hinein, weil sonst das Stundenpensum nicht zu schaffen sei. „Faktisch besuchen die Kinder jetzt Ganztagsschulen, ohne dass es dafür ein organisatorisches und pädagogisches Konzept gibt“, unterstrich Demmer. Es fehle ein Wechsel zwischen An- und Entspannung, zwischen Lernen und Freizeit. Viele Schulen könnten nicht einmal eine vernünftige Mittagsverpflegung anbieten.

Demmer wies darauf hin, dass sich die GEW für die „eine Schule für alle Kinder“, für ein inklusives Schulsystem, stark mache. Hier könnten alle Schülerinnen und Schüler bestmöglich individuell gefördert werden.

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