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PM vom 17.10.2008Frankfurt a. M./Saarbrücken - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die heute von der Kultusministerkonferenz (KMK) verabschiedeten inhaltlichen Standards für die Lehrerbildung im Grundsatz begrüßt, aber auf Schwachstellen hingewiesen. „Es ist zwar erfreulich, dass nun endlich für alle drei Säulen des Lehramtsstudiums – Bildungswissenschaft, Fachwissenschaften und Fachdidaktiken – länderübergreifende Standards vorliegen. Leider werden die KMK-Standards den aktuellen Anforderungen des Arbeitsplatzes Schule noch nicht vollständig gerecht und müssen weiterentwickelt werden“, sagte das für Hochschule und Lehrerbildung verantwortliche GEW-Vorstandsmitglied Andreas Keller.
Er kritisierte, dass bei den vorgelegten Standards für Fachwissenschaften und Fachdidaktiken weiterhin die traditionellen Wissenskataloge im Mittelpunkt stünden. „Wie sich die künftigen Lehrerinnen und Lehrer die Kompetenzen, die sie für ihren Beruf benötigen, aneignen sollen, wird nicht deutlich genug“, sagte Keller. In den Standards dominierten die fachwissenschaftlichen Inhalte der einzelnen Studien- und Unterrichtsfächer. „Die für den Lehrerberuf entscheidende Fachdidaktik kommt viel zu kurz. Auf die schon 2004 vorgelegten Standards für die Bildungswissenschaft wird nicht mehr Bezug genommen“, betonte der Lehrerbildungsexperte.
Er warf der KMK vor, mit ihren Standards für die Lehrerbildung die berufliche Bildung komplett ausgeklammert sowie die Grundschulen und Förderschulen vernachlässigt zu haben. „Wir brauchen aber eine qualitativ gleichwertige Ausbildung für alle Lehrerinnen und Lehrer, egal ob sie an der Grundschule oder am Gymnasium unterrichten“, forderte Keller.
In diesem Zusammenhang kritisierte er die jüngste Vereinbarung von KMK und Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zur Anrechnung von Teilen des Vorbereitungsdienstes (Referendariat) auf das Lehramtsstudium. „Statt wie in allen anderen Studiengängen für konsekutive Bachelor- und Masterstudiengänge eine einheitliche Studiendauer von zehn Semestern vorzusehen, lässt die KMK in der Lehrerbildung eine kürzere Hochschulausbildung von nur acht Semestern zu. Die Verkürzung der Studienzeit soll nun durch die Anerkennung von einem Jahr aus dem Vorbereitungsdienst geheilt werden – ein nur notdürftig kaschierter Etikettenschwindel. Damit nehmen die Kultusminister in Kauf, dass Lehramtsstudierende die Hochschulen künftig mit einem halbfertigen Studium verlassen müssen“, unterstrich der GEW-Sprecher. „Das Lehrerstudium darf nicht länger ein Studium zweiter Klasse sein!“, erklärte Keller. Er forderte eine einheitlich lange zehnsemestrige Hochschulausbildung für alle Lehrerinnen und Lehrer.
Info: Die KMK hat heute ihre „Ländergemeinsamen inhaltlichen Anforderungen für die Fachwissenschaften und Fachdidaktiken in der Lehrerbildung“ beschlossen. Zuvor hatten sich KMK und HRK auf eine „Empfehlung zur Vergabe eines Masterabschlusses in der Lehrerbildung bei vorgesehener Einbeziehung von Leistungen des Vorbereitungsdienstes“ verständigt. Vorstandsmitglied Andreas Keller vertrat die Bildungsgewerkschaft GEW heute bei einer Anhörung der KMK in Saarbrücken.