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PM vom 11.11.2008Frankfurt a. M./Saarbrücken.- „Es ist erfreulich, dass die Kultusministerkonferenz (KMK) endlich auch die Lehre in den Blick nimmt, wenn sie von Exzellenz spricht. Die angekündigte Exzellenzinitiative für die Lehre ist aber nicht mehr als ein Feigenblatt, das die Misere an den Hochschulen bestenfalls notdürftig kaschieren kann“, kritisierte das für Hochschulen verantwortliche Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Andreas Keller, mit Blick auf den „Wettbewerb exzellente Lehre“. KMK und Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft stellten das Projekt heute gemeinsam vor.
Keller warnte die Länder vor einem Ablenkungsmanöver von dem Kernproblem der aktuellen Hochschulmisere. „Wir brauchen mehr Studienplätze für immer mehr Studienberechtigte und wir brauchen mehr Qualität in der Lehre durch eine bessere Betreuung der Studierenden. Bund und Länder müssen zuerst die anhaltende Unterfinanzierung der Hochschulen beseitigen und Grünes Licht für den ‚Hochschulpakt II’ geben“, forderte der GEW-Sprecher. Er erinnerte daran, dass Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und Wissenschaftsrat (WR) den zusätzlichen Bedarf für den Ausbau der Hochschulen und die Verbesserung der Qualität der Lehre auf 3,7 Milliarden Euro pro Jahr beziffert hatten.
Der GEW-Hochschulexperte kritisierte, dass die KMK ausschließlich mit dem arbeitgebernahen Stifterverband zusammenarbeite. „Dem Verbands-Vorstand gehören die Chefs aller großen Unternehmen - von Ackermann bis Zetsche - und ‚ex officio’-Vertreter von BDA, BDI und DIHT an. Die KMK darf die Förderung guter Lehre nicht den Arbeitgebern überlassen. Sie muss Gewerkschaften, Hochschulen und Studierende auf gleicher Augenhöhe beteiligen. Ein Rezept für gute Lehre kann nicht bei Dr. Oetker gekauft werden“, sagte Keller mit Blick auf die Präsentation des Wettbewerbs in Saarbrücken durch den Präsidenten des Stifterverbands, Dr. Arend Oetker.
Den Hochschulen über eine ausreichende Grundfinanzierung hinaus strukturelle Anreize für eine Verbesserung der Qualität der Lehre zu geben, sei ein richtiger Ansatz, betonte Keller. Die Hochschulen müssten endlich ein Qualitätsmanagement für Studium und Lehre sowie eine systematische Personalentwicklung des Lehrpersonals in Angriff nehmen. „Ein Wettbewerb für exzellente Lehre greift zu kurz. Mit schnell verpuffenden Impulsen für wenige ‚Leuchtturm’-Hochschulen’ ist den Studierenden nicht geholfen. Wir brauchen eine Förderung guter Lehre und Lehrender in der Breite. Die GEW schlägt die Einrichtung einer ‚Deutschen Lehrgemeinschaft’ vor, die Innovationen in Lehre und Studium durch die Vergabe von Drittmitteln fördert. So werden Anreize für gute Lehre strukturell in der Hochschulfinanzierung verankert.“
Info: Gemeinsam mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft startet die KMK einen Wettbewerb „Exzellente Lehre“. Dieser ist heute im Rahmen der Tagung „Mehr Ehre für die Lehre!“ vorgestellt worden. KMK und Stifterverband finanzieren den Wettbewerb mit je fünf Millionen Euro.