01.09.2008

GEW: „Die Richtung stimmt – mit diesen Ankündigungen jetzt aber auch Ernst machen!“

Bildungsgewerkschaft zum SPD-Papier „Aufstieg durch Bildung“

Frankfurt a.M. – Die Richtung des SPD-Papiers „Aufstieg durch Bildung – Chancengleichheit und wirtschaftlicher Wohlstand“ stimme, urteilt die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Das Programm hat der SPD-Parteivorstand heute beschlossen. „Jetzt muss die SPD zeigen, dass sie es mit ihren Ankündigungen Ernst meint und sich an die politische Umsetzung machen. Die meisten Vorhaben stehen und fallen mit einer soliden Finanzierung. Für Merkels Bildungsgipfel am 22. Oktober haben die mitregierenden Sozialdemokraten eine klare Vorgabe gemacht“, sagte GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne in Frankfurt a.M..

Als längst überfällige sozial- und familienpolitische Schritte wertete er die geplante Beitragsfreiheit in den Kitas für alle Kinder von einem bis sechs Jahren und den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem ersten Lebensjahr ab 2013. „Über dem quantitativen Ausbau darf die Qualität jedoch nicht auf der Strecke bleiben: Die akademische Ausbildung von Erzieherinnen und die Verbesserung des Betreuungsschlüssels sind folgerichtige Maßnahmen“, sagte Thöne.

In der Schulpolitik bleibe die SPD jedoch auf halbem Weg stehen und falle hinter ihren Parteitagsbeschluss von 2007 zurück. „Der Ausbau des Ganztagsschulangebots, die Abschaffung der Hauptschule und mehr integrative Angebote sind wichtig. Doch dann hat die SPD der Mut verlassen, sich eindeutig für ein inklusives Schulsystem bis Klasse 10 auszusprechen, einer Schule, die alle Kinder mitnimmt und individuell fördert“, unterstrich der GEW-Vorsitzende.

Ansätze, die Frage Pädagogenmangel an der Wurzel zu packen, sieht Thöne in den Maßnahmen, die den „Arbeitsplatz Schule und Kita attraktiver machen sollen“: „Verlässliche Arbeitsbedingungen und höhere Gehälter müssen das Paket mit mehr Personal, kleineren Klassen und Kita-Gruppen sowie zusätzlichem Geld für erweiterte pädagogische Angebote wie Schulsozialarbeit abrunden.“ Der GEW-Vorsitzende wies noch einmal darauf hin, dass die Länder in den vergangenen Jahren einen anderen Kurs bei der Einstellung von Lehrkräften gefahren seien: Absenkung der (Einstiegs)Gehälter, Fristverträge und Teilzeitarbeitsplätze, lautete das Credo. „So haben die Länder junge Menschen abgeschreckt und den (drohenden) Pädagogenmangel selbst verschuldet.“

„Die SPD muss ihr Augenmerk verstärkt auch auf verdeckte Bildungskosten wie Lehrmittel richten. Nur wenn Bildung gebührenfrei und ein verlässliches Unterstützungssystem mit Bafög und Stipendien entwickelt wir, werden mehr Menschen motiviert, höher qualifizierende Bildungsangebote wahr zu nehmen. Mehr und bessere Bildung ist für den Einzelnen der Schlüssel zur Entfaltung seiner Lebenschancen und sichert der Gesellschaft die Zukunftsfähigkeit“, hob Thöne hervor.

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