/ Presse
/ Presse-Serviceseite
/ Archiv der Pressemitteilungen
/ 2009
/ März
PM vom 05.03.2009Frankfurt am Main/Stralsund - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die Kultusministerkonferenz (KMK) aufgefordert, endlich den „Schweine-Zyklus“ bei der Lehrereinstellung zu durchbrechen. „Es ist kein Naturgesetz, dass auf einen Lehrermangel eine -schwemme folgt und dieser ständige Wechsel unveränderbar feststeht. Die Entwicklung der Schülerzahlen ist Jahre im Voraus bekannt. Mit einer kontinuierlichen Einstellungspolitik von Lehrkräften kann eine gute Unterrichtsversorgung für alle Schüler in der Bundesrepublik gesichert werden. Alle Kinder und Jugendlichen haben das Recht auf qualitativ hochwertige Bildung“, erklärte GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne heute mit Blick auf die KMK-Tagung in Stralsund. Er erinnerte daran, dass die Länder seit der KMK-Lehrerbedarfsprognose 2003 im Zeitraum bis 2007 über 17.000 Lehrkräfte weniger eingestellt hätten als notwendig gewesen sei, um den Status Quo der Unterrichtsversorgung zu halten. „Das hausgemachte Problem des Lehrermangels lässt sich nicht lösen, indem die reichen Bundesländer mit Hilfe teurer Werbekampagnen den ärmeren die Lehrkräfte wegkaufen. Lehrkräfte, Schüler und Eltern wehren sich zu Recht dagegen, dass die föderale Kleinstaaterei der Länder auf ihrem Rücken ausgetragen wird. Verantwortungsvolle Personalplanung und –entwicklung erfordern gesamtstaatliches Handeln“, unterstrich Thöne.
Er forderte die KMK auf, endlich „die Notbremse zu ziehen. Sonst steuern wir auf einen kollektiven Lehrermangel zu: für jedes Fach, für jede Schulstufe, in jedem Bundesland“. Bereits der OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick 2007“ hatte darauf hingewiesen, dass in den nächsten Jahren für 100 aus dem Beruf ausscheidende Lehrkräfte lediglich 60 neu ausgebildete nachrückten. Um mehr junge Menschen für ein Lehrerstudium zu gewinnen, empfahl Thöne, die Arbeitsbedingungen für Lehrkräfte attraktiver zu gestalten. Dazu gehörten bessere Rahmenbedingungen wie kleinere Klassen, eine Senkung der Unterrichtsverpflichtung sowie eine deutlich bessere Bezahlung. Die Bundesländer seien in den vergangen Jahren jedoch in die Gegenrichtung marschiert: Absenkung der (Einstiegs)Gehälter, Fristverträge und Teilzeitarbeitsplätze. Die Einstiegsgehälter für junge Lehrkräfte seien beispielsweise um bis zu 27 Prozent gesenkt worden. „So schreckt man junge Menschen vom schönen Beruf des Lehrers ab“, betonte der GEW-Vorsitzende.
Zugleich mahnte er an, dass die Lehrerbildung dringend reformiert werden müsse: „Wir brauchen ein einheitliches Lehramt für alle Pädagoginnen und Pädagogen mit einheitlicher Bezahlung. Zudem müssen die pädagogisch-didaktischen Studienanteile deutlich erhöht werden.“
Info: 2007 hat die GEW den letzten ihrer jährlichen Berichte zum Lehrerarbeitsmarkt herausgeben können. Dr. Kathrin Dedering und Dr. Frank Meetz hatten die Studie in Nachfolge des renommierten Essener Bildungsforschers Prof. Klaus Klemm erstellt. Zur Studie kommen Sie über den Link in der rechts stehenden Infobox.
Für 2008 war es aufgrund der unzureichenden Datenlage, die die Kultusministerien geliefert haben, nicht möglich, eine Arbeitsmarktuntersuchung vorzulegen. Weitere Infos finden Sie ebenfalls in der rechts stehenden Infobox.
Eine eigene Übersicht für das Jahr 2008 hat die KMK bisher nicht vorgelegt.