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PM vom 06.03.2009Frankfurt a.M./Stralsund – Die so genannte „Stralsunder Erklärung“ „klärt nichts und lässt einmal mehr notwendiges gesamtstaatlich verantwortetes Handeln vermissen“. Mit diesen Worten kommentierte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) den Beschluss zur „Einstellung und Ausbildung von Lehrern in den Ländern“, den die Kultusministerkonferenz (KMK) heute in Stralsund gefasst hat. „Die KMK bietet keinen umfassenden Lösungsansatz für den Lehrermangel, sondern werkelt im föderalen Klein-Klein vor sich hin. Dabei ist das Problem hausgemacht: Es resultiert aus strikten Missachtung der eigenen Lehrerbedarfs-Studie aus dem Jahr 2003. Von 2003 bis 2007 haben die Länder weit über 17.000 Lehrkräfte weniger eingestellt als von der KMK für notwendig erachtet, um allein der Status quo der Unterrichtsversorgung zu halten“, sagte GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne am Freitag in Frankfurt a.M. „Das Problem verschärft sich dadurch, dass kein Kultusminister nach der Umstellung der Lehrerausbildung auf Bachelor-/Masterstudiengänge weiß, wie viele junge Menschen in seinem Land als Lehrkräfte ausgebildet werden. Geschweige denn, prognostizieren kann, zu welchem Zeitpunkt wie viele ausgebildete Lehrkräfte zur Verfügung stehen. Die Flickschusterei etwa mit Seiteneinsteigerprogrammen muss endlich beendet werden. Statt Provinzialismus und Wettbewerbsföderalismus, die auf dem Rücken von Schülern, Eltern und Lehrkräften ausgetragen werden, brauchen wir gesamtstaatliches Handeln bei der Bedarfs- und Angebotsplanung. Dass die Länder nicht in der Lage sind, ihre Verantwortung, die aus der Kulturhoheit erwächst, wahrzunehmen, haben sie jetzt lange genug bewiesen. Chancengleichheit und Leistungsfähigkeit des deutschen Schulsystems bleiben immer mehr auf der Strecke.“
Thöne stellte fest, dass nur eine kontinuierliche Einstellungspolitik von Lehrkräften dem wie ein unabänderliches Naturgesetz daherkommenden Schweinezyklus von Lehrermangel- und -schwemme durchbreche. Zudem müssten alle Länder junge Menschen für den Lehrerberuf werben. Dafür sei ein attraktives Berufsbild notwendig. Zu diesem gehörten bessere Rahmenbedingungen wie kleinere Klassen, eine Senkung der Unterrichtsverpflichtung sowie eine deutlich bessere Bezahlung. So seien beispielsweise die Einstiegsgehälter für junge Lehrkräfte in den vergangenen Jahren um bis zu 27 Prozent gesenkt worden. „Das schreckt junge Menschen vom schönen Beruf des Lehrers ab“, unterstrich der GEW-Vorsitzende.
Info: 2007 hat die GEW den letzten ihrer jährlichen Berichte zum Lehrerarbeitsmarkt herausgegeben. Er belegt, dass die Lücke zwischen der KMK-Prognose von 2003 und den real eingestellten Lehrkräften bei über 17.000 liegt. Dr. Kathrin Dedering und Dr. Frank Meetz hatten die Studie in Nachfolge des renommierten Essener Bildungsforschers Prof. Klaus Klemm erstellt. Zur Studie kommen Sie über den Link in der Infobox rechts oben.
Für 2008 war es aufgrund der unzureichenden Datenlage, die die Kultusministerien geliefert haben, nicht möglich, eine Arbeitsmarktuntersuchung vorzulegen. Weitere Infos finden Sie ebenfalls in der rechts stehenden Infobox.
Eine eigene Übersicht für das Jahr 2008 hat die KMK bisher nicht vorgelegt.