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PM vom 06.03.2008Frankfurt a. M./Potsdam/Nürnberg - „Die Arbeitgeber müssen endlich ein ernstzunehmendes Angebot vorlegen“, appellierte Ilse Schaad, Verhandlungsführerin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), an die öffentlichen Arbeitgeber in Bund und Kommunen. „Das vorliegende Angebot ist nichts anderes als Augenwischerei. Auf ein Jahr gerechnet gleicht die angebotene Lohnerhöhung nicht einmal die von den Arbeitgebern geforderte Arbeitszeitverlängerung aus, von dem seit Jahren überfälligen Inflationsausgleich ganz zu schweigen.“ Der Auftakt der fünften und letzten Runde der Tarifverhandlungen für die Beschäftigten bei Bund und Kommunen wird heute von teilweise ganztägigen Warnstreiks der Beschäftigten in den Kitas, Sparkassen, dem öffentlichem Nahverkehr und bei der Müllabfuhr begleitet.
„Arbeitzeitverlängerung ist Diebstahl an der Familienzeit. Alle reden von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, doch die öffentlichen Arbeitgeber wollen die Arbeitszeit verlängern. Das ist ein Schlag ins Gesicht der jungen Generation. Fast 50 Prozent der Erzieherinnen, die jünger als 30 Jahre sind, haben eine befristete Stelle und müssen in Teilzeit arbeiten. Sie brauchen endlich eine berufliche Perspektive. Arbeitszeitverlängerung vernichtet jedoch Arbeitplätze“, sagte GEW-Kita-Experte Norbert Hocke bei der Streikkundgebung in Nürnberg. „Es ist ein Skandal, dass Erzieherinnen am Wochenende am Supermarkt an der Kasse sitzen müssen, weil sie von ihrem Gehalt nicht den Lebensunterhalt bestreiten können. Gute Bildung, Erziehung und Betreuung sind auch ihr Verdienst, gute Bezahlung ihr Recht.“ Der Aufschwung müsse endlich auch bei den Beschäftigten ankommen, nicht nur bei Managern, Bundestagsabgeordneten sowie in Ländern und Kommunen, in denen die Steuerquellen sprudeln.
Info: Der Schwerpunkt der Warnstreikaktivitäten liegt heute in Bayern, Baden-Württemberg und Hessen. Aber auch im Saarland gibt es erneut Warnstreiks mit einer Kundgebung in Saarbrücken.
In Hessen finden zentrale Streikversammlungen und Demonstrationen in Wiesbaden, Frankfurt a.M., Kassel und Darmstadt sowie etlichen Kommunen vor allem im südhessischen Raum statt. Bei der Kundgebung in Groß-Gerau (Südhessen) spricht der Landesvorsitzende der GEW, Jochen Nagel.
In Baden-Württemberg werden in Heilbronn, Stuttgart sowie den Landkreisen Böblingen, Ludwigsburg und Rems-Murr über 250 Kindergärten geschlossen bleiben. Auch in anderen Teilen des Landes werden Warnstreiks erwartet.
In Bayern wird ganztägig gestreikt mit Kundgebungen unter anderem in München, Nürnberg, Würzburg, Regensburg und Ingolstadt. Hier ruft die GEW auch die angestellten Lehrkräfte an kommunalen Schulen zum Streik auf, die es in allen größeren Städten Bayerns gibt.