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07.12.2007

GEW-Bilanz: Die Ergebnisse der PISA-Studie 2006

Die Ergebnisse der PISA-Studie 2006, die die OECD am 4. Dezember veröffentlicht hat, geben keinen Anlass, in Jubelarien auszubrechen. Ulrich Thöne, GEW-Vorsitzender, zieht Bilanz.

Die bildungspolitisch Verantwortlichen sind gut beraten, die Resultate ohne Scheuklappen zur Kenntnis zu nehmen und endlich wirksame Konsequenzen zu ziehen. Die „Fortschritte“, die Deutschland seit dem PISA-Schock 2001 gemacht hat, sind so kümmerlich, dass sie den Kultusministern eigentlich die Schamröte ins Gesicht treiben müssten. Denn hinter den nackten statistischen Daten verbergen sich viele Einzelschicksale junger Menschen. Sechs Jahre sind verstrichen, in denen die Bundesrepublik fast ein Viertel der Jugendlichen eines jeden Jahrgangs mit völlig unzureichenden Deutsch- und Mathematik-Kompetenzen in ihren Lebens- und Berufsweg entlassen hat, kurz: den jungen Menschen ihre Zukunftschancen bereits mit dem Abgang von der Schule auf ein Minimum gestutzt hat - und bisher gibt es keine Aussicht auf schnelle Besserung: Die Gesellschaft wird auf absehbare Zeit noch weitere „Lost Generations“ ins Leben schicken, wenn das Steuer jetzt nicht herumgerissen wird.

Dabei sind sich (fast) alle Experten in Diagnose und Therapie einig: Entscheidend für das relativ schlechte Abschneiden deutscher Schülerinnen und Schüler ist die frühe Auslese der Kinder nach der vierten Klasse. Internationale Fachleute und GEW sind sicher, dass das Zusammenspiel aus dem Ausbau der frühkindlichen Bildung, einem längeren gemeinsamen Lernen aller Kinder, verstärkter individueller Förderung, mehr Ganzstagsangeboten, einer grundlegenden Reform der Lehrerausbildung und zusätzlichen Fortbildungsangeboten sowie einer besseren materiellen und personellen Ausstattung des Bildungswesens in kurzer Zeit signifikante Zuwächse in der Leistungsfähigkeit deutscher Schüler bringen werden. Es gibt also viel zu tun!

Die wichtigsten PISA-Ergebnisse auf einen Blick:

  • In Naturwissenschaften, dem Schwerpunkt von PISA 2006, liegen deutsche Schüler mit 516 Punkten über dem OECD-Durchschnitt von 500 Punkten. Das entspricht einem Leistungsvorsprung von einem knappen halben Schuljahr. Der Rückstand auf Spitzenreiter Finnland beträgt 47 Punkte.
  • Die Leitungszuwächse gegenüber den Ergebnissen von PISA 2003 betragen in Deutsch vier Punkte (= 495 Punkte) und in Mathematik einen Punkt (= 504 Punkte). Diese Steigerungen sind statistisch nicht signifikant. Beide Werte bewegen sich im OECD-Schnitt. Siegerland bei der Lesekompetenz ist Südkorea mit 556 Punkten, in Mathe Taiwan mit 549 Punkten.
  • Die mangelnde Chancengleichheit ist weiterhin das Kardinalproblem des deutschen Schulsystems. In den OECD-Staaten spielt die soziale Herkunft eines Kindes für den Schulerfolg nur in Luxemburg, Ungarn, Frankreich, Belgien und der Slowakei eine ähnlich große Rolle wie in Deutschland.
  • Die Leistungsunterschiede zwischen den Schulen sind in Deutschland rund zwei Mal so groß wie im OECD-Schnitt.
  • Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund benachteiligt das deutsche Schulsystem doppelt. Diese Schülerinnen und Schüler kommen häufiger aus Haushalten mit geringerem sozioökonomischen Status, der Leistungsabstand gegenüber „Einheimischen“ ist deutlich höher als in anderen Staaten mit vergleichbarem Migrantenanteil. Besonders erschreckend ist, dass die Leistung der zweiten Migrantengeneration, also von Kindern, die in Deutschland geboren worden sind, noch schlechter ist: Die 15-Jährigen liegen gegenüber ihren deutschen Mitschülern um 97 Punkte zurück, obwohl sie die Schule genau so lange besucht haben wie diese. In der Benachteiligung von Migrantenkindern ist Deutschland Weltmeister.
  • Rechnet man beim Vergleich öffentlicher mit privaten Schulen den Sozialstatus der Schülerinnen und Schüler an den Privaten heraus, schneiden die öffentlichen Schulen um gut 10 Punkte besser als die private Konkurrenz ab.
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