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FöNes: Hilfe für Kinder in Istanbul

Im Kinderdorf der Aziz-Nesin-Stiftung nahe der türkischen Metropole Istanbul leben vierzig Jungen und Mädchen. Der Verein FöNeS hilft der Stiftung. Finanziert wird er unter anderem vom Bildungs-und Förderungswerk der GEW.

Sie sagt den Satz mit großer Selbstverständlichkeit. „Von meinem Taschengeld werde ich etwas abzweigen und der Stiftung zukommen lassen“, erklärt Ada Su. Und: „So werde ich selbst auch glücklicher.“ 25 Euro will die Zwölfjährige, die seit einigen Monaten in Deutschland lebt, spenden. An FöNeS, den Förderverein der Nesin-Stiftung, der benachteiligte Kinder in der Türkei unterstützt. Das Interview mit Ada Su, in dem sie ihre Spendenbereitschaft erklärt, ist wohl der rührendste Beitrag in InFöNeS, der Vereinszeitung von FöNeS.

Die Arbeit von FöNeS geht zurück auf Aziz Nesin, der als einer der bedeutendsten Schriftsteller in der Türkei gilt. Immer humorvoll, manchmal gar satirisch setzte sich Nesin mit der türkischen Gesellschaft und den staatlichen Einrichtungen auseinander. 137 Werke sind von ihm erschienen, teils wurden sie in 40 Sprachen übersetzt. Zu seinen bekanntesten Büchern zählen „Ich war auch ein Kind“ und „Ein Verrückter zu 100 Lira“. Gerade Kinder haben an diesen Werken ihren Spaß.

Im Juli 1995 starb Nesin kurz vor seinem 80. Geburtstag. Rund sechs Monate später trafen sich in Deutschland 13 seiner treuesten Leserinnen und Leser, die sein soziales Engagement fortsetzen wollten und deshalb zwei Jahre später den Verein FöNeS gründeten.

Der 1995 verstorbene türkische Schriftsteller Aziz Nesin gründete das Kinderdorf Catalca westlich von Istanbul. (Fotos: dpa, Aziz-Nesin-Stiftung)

Nesin wollte etwas verändern

Denn Nesin hatte nicht nur als Schriftsteller gewirkt. Er wollte mit seiner 1972 gegründeten Stiftung etwas verändern in der Türkei. In Catalca westlich von Istanbul schuf er ein Kinderdorf, das schnell als Kinderparadies bekannt wurde. Auf 17.000 Quadratmetern leben dort derzeit rund 40 Kinder und Jugendliche. Sie eint, dass sie entweder keine Eltern haben oder ihre Eltern mit der Erziehung heillos überfordert sind.

Die Mädchen und Jungen werden in Catalca sehr gut betreut. Es gibt Theater und Konzertsäle, eine umfangreiche Bibliothek sowie ein Musikzimmer. Außerdem haben vor allem die Jüngsten zahlreiche Spielmöglichkeiten. Und die Nesin-Stiftung lädt zu Erholungsreisen ein wie zuletzt in den Badeort Canakkale.

Wichtig ist der Stiftung, ihre Schützlinge auf jeden Fall in eine gesicherte Zukunft zu entlassen. Sie trägt für diese die Verantwortung, bis sie ihr Studium oder eine Berufsausbildung beendet haben. Vergleichbare Heime versorgen Kinder und Jugendliche nur bis zu einem bestimmten Alter.

Geleitet wird die Stiftung mittlerweile vom Mathematikprofessor Ali Nesin, dem Sohn des Schriftstellers. Auch er war bei der Gründung von FöNeS dabei. Der Verein mit Sitz in Bremen hat mehr als 700 Mitglieder.

Mit Veranstaltungen wirbt FöNeS Geld für die Stiftung ein. So organisierte er etwa in Frankfurt während der Buchmesse 2008 eine Lesung mit Gedichten von Aziz Nesin. Eine gute Idee, die Stadtteilbücherei war bestens gefüllt – vermutlich auch, weil die Türkei Gastland der Buchmesse war. Mehr als 300 Euro an Spenden konnten die Veranstalter nach dem Abend in die Türkei überweisen.

Fotos: FöNeS

Jede Hilfe willkommen

Doch den aktiven Mitstreitern geht es nicht immer nur ums Geld. Vor allem ist ihnen der regelmäßige Kontakt nach Catallca wichtig. Sie wollen wissen, was im Kinderparadies geschieht. Durch Besuche, aber auch per Post und Mail informieren sie sich ständig und machen in Deutschland auf die Arbeit der Stiftung aufmerksam.
Manch einer möchte sogar selbst anpacken, wenn es in dem Kinderdorf Arbeiten zu erledigen gibt. FöNeS vermittelt regelmäßig Praktika in Cattalca oder schickt freiwillige Helfer und Zivildienstleistende in die Türkei.

Seit 1999 erhält FöNeS für seine Arbeit Geld vom BFW der GEW. In Zeitungsartikeln und Jahresberichten zeigt sich der Vorstand dafür sehr dankbar. Wobei jede Hilfe willkommen ist – auch die 25 Euro von Ada Su.

Georg Leppert,
Redakteur der „Frankfurter Rundschau“

Kinderparadies Catalca: Hier leben rund 40 Kinder und Jugendliche, die ohne Eltern sind oder aus schwierigen sozialen Verhältnissen kommen. Unterstützt wird das Kinderdorf durch den Verein FöNeS mit Hilfe des BFW. (Foto: FöNeS)

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