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FLC-CGIL Kongress in ItalienUnter dem Motto „Dalla conoscenza, la democrazia“ (Vom Wissen zur Demokratie) fand vom 14. bis 17. April 2010 der zweite nationale Kongress der FLC CGIL in San Benedetto del Tronto in den italienischen Marken statt. Die FLC existiert seit 2006 und ist die „italienische GEW“ unter dem Dach der CGIL (Federazione Lavoratori della Conoscenza ), einer der drei großen italienischen Gewerkschaftsbünde. Die FLC vertritt Mitglieder an Schulen, Universitäten, in der Forschung, im Bereich der Erziehung und der sozialen Arbeit.
Wer erwartet hätte, dass über mehrere Tage Anträge debattiert werden – wie etwa in der GEW – der wurde überrascht. Die Diskussionen liefen bereits im Vorfeld auf örtlicher bzw. regionaler Ebene. Auf diesem nationalen Kongress ging es vor allem um zwei Leitanträge zur Orientierung und Vorbereitung für den Kongress der CGIL Anfang Mai 2010. Daher mussten die etwa 570 Delegierten nicht von morgens bis abends auf ihren Stühlen verharren, sondern konnten das Programm genießen, das sie interessierte oder sich in Gruppen zum Austausch treffen.
Die Probleme, welche in diversen Reden angesprochen wurden, sind groß. Die Kritik am System Berlusconi zog sich wie ein roter Faden durch die Beiträge. Natürlich stand das Thema Bildungspolitik auf dem Kongress im Vordergrund. Aber auch die Angriffe der Regierung auf Arbeitnehmerrechte und die Verfassung Italiens nahmen großen Raum ein. Hier einige Kritikpunkte, die im Zusammenhang mit der Bildungspolitik der letzten Jahre erwähnt wurden:
· es existiert eine immense Investitionslücke an den Schulen! LehrerInnen bitten Eltern um finanzielle Unterstützung, um an den Schulen das Minimum anbieten zu können
· tausende LehrerInnenstellen wurden abgeschafft – allein 10 Prozent im vergangenen Jahr!
· die Sicherheit an den Schulen ist zunehmend gefährdet
· die gemeinsame Schulzeit soll reduziert werden
· die prekäre Beschäftigung vor allem an Universitäten nimmt zu
· 36 Prozent der Studierenden mit Abschluss finden in ihrem erlernten Feld keine Beschäftigung!
· es wird gestrichen ohne Programm, ohne Alternativen!
Darüber hinaus kämpft die FLC CGIL gegen die Bestrebungen der Regierung Berlusconi, die Wahlen von gewerkschaftlichen Vertrauensleute an Schulen zu verhindern oder Tarifverträge aufzulösen. Gegen Angriffe auf grundlegende Artikel der italienischen Verfassung setzte der Rechtswissenschaftler Prof. Colaianni (Universität Bari) seine These: Das Wissen um die italienische Verfassung ist zu verteidigen und an die neuen Generationen weiterzugeben!
Leider gab es auf viele Fragen kaum Antworten. Obwohl in Italien häufig gestreikt wird, bringen diese Streiks nicht die gewünschte politische Veränderung im Land. Trotzdem wird der Streik immer noch von vielen als fundamental eingeschätzt. Darüber hinaus müsse man Bündnisse zu anderen sozialen Bewegungen suchen und versuchen, die Tradition des Arbeitskampfs an die jüngere Generation weiterzugeben – vielleicht auch mit neuen Methoden, wie z.B. spektakulären Auftritten.
Mit Gabriella Giorgetti (FLC CGIL) hatten die internationalen Gäste, darunter Martin Römer, der Generalsekretär des europäischen Verbandes der Bildungsgewerkschaften ETUCE, sowie Delegierte von Gewerkschaften aus Dänemark, Bulgarien, Frankreich, Spanien und Portugal eine ausgezeichnete Betreuung und sprachliche Unterstützung, nicht nur während des Kongresses sondern auch bei Exkursionen oder beim Abendessen mit anderen Gästen.
Text und Fotos: Elke Hahn, GEW Bayern
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