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Ergebnisse des zweiten PISA-Ländervergleichs

Der Neuigkeitswert der Zusammenfassung ist enttäuschend - aber die Botschaft ist eindeutig: Es geht aufwärts, wir sind auf dem richtigen Weg, die ungleiche Verteilung der Bildungschancen "trübt" lediglich das positive Bild, aber durch gute Schulen, guten Unterricht und vor allem durch die Zuweisung der Schüler zu "geeigneten Schularten" geht es dann immer weiter aufwärts.

Zusammenfassung des Deutschen PISA-Konsortiums

  • Das Thema Leistungsentwicklung steht im Mittelpunkt dieser Zusammenfassung des Bundesländer-Vergleichs 2003 durch das PISA-Konsortium. Es gibt wenig Neues, was über die "Vorinformation" im Juli und die in den letzten Tagen in der Presse bekannt gewordenen Informationen hinausgeht. Im Gegenteil: Wichtige Schaubilder zur Kompetenzentwicklung in Abhängigkeit von sozialer bzw. ethnischer Herkunft sowie der besuchten Schulform zwischen 2000 und 2003 sind nicht aufgenommen und auf die einzelnen Bundesländer ausdifferenziert.
  • Chancengleichheit und soziale Gerechtigkeit sind keine zentralen Themen. Wer hier auf neuere Erkenntnisse gehofft hat, wird enttäuscht. Es fehlen wichtige Übersichten und Vergleichsmöglichkeiten mit 2000. Die frühzeitige Förderung von Leistungsschwächeren wird zwar als "eine der größten Herausforderungen" bezeichnet, aber Vorschläge dazu werden nicht gemacht. Es wird empfohlen, "Jugendliche gemäß ihrer Leistung und unabhängig von der sozialen Herkunft in den geeigneten Schularten zu unterrichten". Diese Empfehlung heißt übersetzt: Die Grundschulen sollen besser sortieren (was immer "geeignete Schularten" sind).
  • Die Abhängigkeit von sozialer Herkunft und Gymnasialbeteiligung wird auf Entscheidungen von Eltern und Lehrkräften zurück geführt. Der strukturelle Faktor wird subjektiviert. Es wird nicht gefragt, warum Eltern und Lehrkräfte bei vielen Unterschichtkindern anders entscheiden als es deren Leistungsvermögen entspricht.
  • Die Wahrscheinlichkeit des Gymnasialbesuchs hat sich insgesamt, aber auch zum Beispiel in Bayern, noch mehr zu Gunsten der Kinder von Besserverdienenden verschoben, ohne dass dies Anlass wäre, im Kapitel "Fortschritte und Herausforderungen" wieder aufgegriffen zu werden. Der vage Hinweis: „Eine enge Kopplung von Kompetenz und sozialer Herkunft deutet auf ein Verbesserungspotential hin,“ wirkt fast zynisch.
  • Die Bedeutung des sozioökonomischen und kulturellen Umfelds der Schulen und Schüler wird weitgehend marginalisiert und teilweise sehr widersprüchlich berichtet. Einerseits wird darauf hingewiesen, dass sich die Abhängigkeit von sozialen und kulturellen Einflüssen v.a. in der Zuteilung auf die Schularten zeigt. 84 Prozent der Kompetenzunterschiede lassen sich laut Bericht auf die Schulart zurück führen. Auch dies wird nicht wieder aufgegriffen. Andererseits sollen nur 3 Prozent der Leistungsunterschiede zwischen Schulen durch regionale Rahmenbedingungen erklärbar sein. Im nächsten Absatz heißt es sodann, dass Unterschiede in der Sozialhilfe - und vor allem in der Arbeitslosenquote beträchtliche Leistungsunterschiede zur Folge haben. Diese widersprüchlichen Informationen werden außerdem noch in reichlich verquastem Deutsch geboten.
  • Die Abstände zwischen Jugendlichen, deren Eltern beide im Ausland geboren sind und den Jugendlichen ohne Migrationshintergrund betragen 46 bis 105 Punkte, also bis zu drei Schuljahre. Aber auch hierzu gibt es keine auf die Bundesländer bezogenen Informationen, so dass ein Vergleich mit 2000 nicht möglich ist. Auf Bundesländer bezogene Informationen gibt es hinsichtlich der unterschiedlichen Verwendung der deutschen Sprache im Alltag. Hier fällt die enorme Leistungsspreizung zwischen Jugendlichen ohne Migrationshintergrund und "fremdsprachigen" Jugendlichen (Gruppe der Jugendlichen MigrantInnen, die im Alltag häufiger eine andere als die deutsche Sprache sprechen) in Bayern auf. Sie beträgt gut 130 Punkte, was über drei Schuljahren entspricht. In Hessen und Berlin z.B. haben Letztere signifikant bessere Ergebnisse, wie überhaupt in diesen beiden Ländern die Leistungspunkte der verschiedenen „Gruppen sprachlicher Akkulturation“ viel dichter beisammen liegen.
  • Statt Chancengleichheitsinformationen gibt es auffallend umfängliche Gymnasialinformationen. Allerdings ist hier kein Vergleich zu 2000 möglich. 2000 wurden in den veröffentlichten Berichten die Neuntklässler der Gymnasien betrachtet, diesmal die Fünfzehnjährigen. Beide Gruppen sind nicht identisch.
  • Für jedes Bundesland werden die Leistungsmittelwerte, Balkendiagramme und der prozentuale Anteil des Schülerjahrgangs für die einzelnen Schulformen aufgeführt Allerdings ist weder die exakte Streubreite noch die prozentuale Verteilung auf die einzelnen Kompetenzstufen ersichtlich. Auch hier fehlen wieder Vergleichsmöglichkeiten mit 2000. Den nach Ansicht des PISA-Konsortiums 2000 "wissenschaftlich nicht vertretbaren Bundesländervergleich der Schulformen" herzustellen, benötigt man ca. eine Stunde.
  • Die Unterschiede der Mittelwerte zwischen den Schulformen reichen von 100 Punkten in Mecklenburg-Vorpommern bis 193 Punkten in Berlin. Zwischen Gymnasien und Hauptschulen bestehen damit Unterschiede von bis zu fünf Schuljahren! Anderseits werden erneut die breiten Überschneidungsbereiche zwischen den Schulformen deutlich. Fast zwei Drittel der baden-württembergischen Realschüler und gut ein Viertel der Hauptschüler könnten demnach bezogen auf ihre Mathematikleisten auch ein Gymnasium besuchen. Die aus PISA 2000 bekannten Überschneidungskurven der Schulformen sind nicht aufgenommen, so dass die Merkwürdigkeiten des gegliederten Schulsystems durch diese Darstellungsform nicht anschaulich werden.
  • Die Problematik des gegliederten Schulsystems für Leistungsentwicklung und Chancengleichheit wird nicht thematisiert . Auf die unterschiedliche Praxis der Klassenwiederholung und Rückstellungen in den Bundesländern wird nur allgemein hingewiesen, nicht jedoch auf Länderebene spezifiziert.
  • Interpretationsversuche für erstaunliche Leistungssprünge wie in Sachsen-Anhalt fehlen
  • In der Tendenz wird nahe gelegt, den dominanten Einflussfaktor für Kompetenzunterschiede generell sowie gegenüber 2000 in Schule und Unterricht und nicht in den Bedingungsfaktoren des sozioökonomischen und kulturellen Umfelds zu sehen.
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