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06.06.2006

Erdsiek-Rave: Sitzenbleiben deutlich reduzieren

Als „Relikt aus der pädagogischen Mottenkiste“ hat die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Ute Erdsiek-Rave (SPD) das Sitzenbleiben bezeichnet und gefordert, dass der Unterricht stärker am Gedanken des individuellen Förderns orientiert werden müsse.

Das Wiederholen einer ganzen Schulklasse vergeude Lebenszeit junger Menschen und bringe statt Hilfe oft nur weitere Demotivation mit sich, sagte die schleswig-holsteinische Bildungsministerin am Montag in einem Gespräch mit der Deutschen Presse Agentur (dpa). Sitzenbleiben solle daher künftig "so weit es geht überflüssig gemacht werden".

Erdsiek-Rave reagierte mit ihren Äußerungen auf den Bildungsbericht der Kultusminister, laut dem jährlich in Deutschland mehr als 250 000 Schüler eine Klasse wiederholen. Bei gesamt rund neun Millionen Schülern sind dies fast drei Prozent – so viel wie in keinem anderen vergleichbaren Industriestaat der Welt. Dazu kommen noch einmal etwa 200 000 Kinder und Jugendliche pro Jahr, die bei der Einschulung zurückgestellt werden oder die Schulform wechseln müssen – meist im Sinne einer „Rückstufung" vom Gymnasium zur Realschule oder zur Hauptschule.

Der Bildungsbericht verweist auch auf die Ergebnisse der Pisa-Studie, wonach bei 15jährigen Sitzenbleibern nach einer "Ehrenrunde" kaum Leistungsgewinne festgestellt wurden.

Die GEW fordert schon seit langem, das Sitzenbleiben abzuschaffen: „Die Klasse zu wiederholen, bringt den meisten Schülerinnen und Schülern keine Verbesserung der Leistung“, erklärt GEW-Schulexpertin Marianne Demmer. „Was macht es bei zwei Fünfen für einen Sinn, ein Jahr lang den Stoff in allen Fächern zu wiederholen? Das Sitzenbleiben frustriert die Kinder und Jugendlichen und stempelt sie zu Versagern“, so die stellvertretende GEW-Vorsitzende. Sie schlägt vor, den Schulen die durch Abschaffung der „Ehrenrunden“ eingesparten Gelder für Fördermaßnahmen zur Verfügung zu stellen.

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