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Eine andere Welt ist möglichvon Diethild Simon
Mit diesen Worten werde ich schon am Flughafen Belem auf die kommenden Tage eingestimmt. Und genauso ist es auch: überall freundliche Gesichter, ein heftig winkender und freundlich strahlender Manfred Brinkmann steht mitten in der Nacht am Flughafen, um mich nach 24 Stunden Flug in Empfang zu nehmen. Zunächst geht’s zum Hotel Beira Rio, vorbei an Favelas, die geradezu dazu auffordern: Tut etwas, so kann es nicht bleiben. Das Hotel ist dann wieder eine andere Welt. Die Sicht auf den Fluss ist atemberaubend. Die Ruhe am nächsten Morgen (nur leise brasilianische Musik) verleitet zum Träumen. Auch das muss sein. Auch deswegen sind wir hier: „The World Social Forum in the Amazon heralds the dawn and builds it.“
Noch bevor wir eintauchen in die Mannigfaltigkeit des Forums, haben wir noch die einmalige Möglichkeit mit einem „caboclo“(Halbblutindianer) über die Situation im Amazonasgebiet zu sprechen. Er zeigt uns die Hütten, die von der Regierung Lula gespendet wurden, auch eine Schule. Und da sind wir bei unserem Thema: er erzählt uns von den 400.000 Halbblutindiandern, die auf den Inseln vor Belem leben. Es gibt einfach zu wenig Schulen! Und dann träumt auch er von einer anderen Welt, in der es für alle hier möglich sein wird zur Schule zu kommen. Er träumt von Lehrern, die die Kinder Amazoniens nicht nach einer bekannten Theorie unterrichten, die ihnen nicht entspricht.
Dabei fällt der Name Montessori. Wie kann das sein? Er nennt ein Beispiel: die Kinder bekommen Kärtchen von Weintrauben. Die gibt es aber nicht im Regenwald! Es gibt doch so viele Früchte hier. Warum ausgerechnet Weintrauben! Er träumt von einem Lehrplan, einer Unterrichtsmethode, die sich an den Bedürfnissen der Kinder aus dem Regenwald orientiert. Hätte er es besser formulieren können? Ich bin beeindruckt von dem Wissen und der Weisheit dieses Mannes. Er arbeitet an einem Wörterbuch, dass die über 7000 Wörter der Indianersprache im Portugiesischen auflistet. Er ist bei Nummer 4000. Das tut er für die Kinder, damit sie den Reichtum ihrer Kultur zu schätzen lernen. Diese erste Begegnung hat mich sehr beeindruckt. Wir diskutieren noch am Abend kontrovers, ob es nicht Sinn macht, dass auch die GEW mithilft Schulen für diese Kinder zu bauen, zusammen mit den örtlichen Verbänden.
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Links: Belém heisst das Weltsozialforum willkommen
Mitte: Im Muendungsdelta des Amazonas
Rechts: Lektionen im Regenwald
Am nächsten Tag ist der Tag der Einschreibung. Lange Schlangen unter tropischem Regen haben sich auf dem Uni-Campus gebildet. Sogar die Armee hilft, Ordnung zu halten. Es geht alles reibungslos und unbürokratisch über die Bühne. Und freundlich, selbst bei der Bewältigung dieses Ansturms. Es ist kaum zu glauben! Wir bekommen unsere Unterlagen mit einem Programmheft, dass uns erst einmal erschlägt: 142 Seiten dicht gedruckt. Unsere Veranstaltung soll am 29.1. stattfinden: Privatisierung im Bildungswesen- wem nützt das? Zusammen mit der Fédération Sindicate Unitère- France und der STES Intersinical Spanien sowie der Rosa Luxemburg Stiftung werden wir über die weltweite Tendenz zur Privatisierung im Bildungswesen referieren, die oft im Verborgenen stattfindet, oft im Zusammenhang mit Reformen. (Ein ausführlicher Bericht zu unserer Veranstaltung wird folgen).
Abends trifft sich das erste Mal unsere GEW-Gruppe, die aber noch von einer Amerikanerin und einer Japanerin erweitert wird, ganz im Sinne des Forums, die Kontakte zu nutzen. Klar, an diesem Abend geht es auch um die Wahl von Barack Obama. Eine andere Welt ist möglich?!
Schon ist Montag! Wir müssen unser Hotel am Fluss(Guajarà) räumen und treffen uns zu einer ersten Lagebesprechung im neuen Hotel. Morgen wird alles mit einer großen Demo beginnen. Dafür brauchen wir noch Gas für die Luftballons und Stöcke für unser GEW-Transparent. Dabei hilft uns Francisco, der das „Instituto Germánico-Amazônico“ gegründet hat. Mit ihm zusammen werde ich die Übersetzungen vom Deutschen ins Portugiesische bestreiten.
Mit brasilianischer Leichtigkeit ist alles schnell geplant, die Frage der Übersetzungen fast geklärt. Denn wir haben noch keinen Kontakt zu unseren Mitveranstaltern aufnehmen können. Geduld ist mal wieder gefragt. Kein Stress ist das Motto! Das wird sich schon alles erledigen. So haben sich jetzt Günther Fuchs, Manfred Brinkmann, Stefanie Kramer und Ilke Glockentöger auf den Weg gemacht, Antonio, den Vertreter der spanischen Delegation zu suchen, im „Hangar“(Stecknadel im Heuhaufen?), derweil ich hier sitze und mit dem Rauschen der Klimaanlage im Ohr (draußen sind es um die 35°C) diesen Bericht schreibe. Aber, wenn ich mich umdrehe, blicke ich aus dem 12.Stock auf das Flussdelta des Guajarà. Es blitzt und donnert gerade. Es ist ja Regenzeit! Gut, dass ich meinen knall orangefarbenen Regenschirm dabei habe. Den werd ich brauchen, um im Meer der Farben während dieses farbenfrohen Ereignisses meinen Akzent zu setzen. Ach, und natürlich „rot“. Wir werden alle unsere roten GEW-Kappen tragen, die roten Luftballons steigen lassen und hoffentlich nicht mit ihnen vor Freude in die Luft gehen. Das wird der Leser dann schon merken, wenn wir uns mit dem nächsten Bericht melden- oder vielleicht auch .nicht..!
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Links: Ueberall werden noch letzte Vorbereitungen getroffen
Mitte: Das Bildungsforum beginnt schon vor dem Weltsozialforum
Rechts: Diethild Simon - im Hintergrund die Stadt Belém
Fotos: Manfred Brinkmann