27.01.2009

Eine andere Welt ist auch mit viel Regen möglich!

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Mehr als 90.000 Menschen haben sich für das Weltsozialforum in Belém angemeldet. Für deren Sicherheit hat die brasilianische Regierung etwa 10.000 Polizisten und Soldaten in der Amazonasmetropole stationiert. Stefanie Kramer von der GEW Berlin berichtet über den ersten Tag des Weltsozialforums 2009.

Eine andere Welt ist auch mit viel Regen möglich!

von Stefanie Kramer

Neben mir liegt Kleidung auf dem Boden verteilt und alles ist nass, wirklich alles. Ich sitze im 13. Stock unseres Hotels und schreibe diesen Bericht, nachdem ich bei der Auftaktdemonstration des Weltsozialforums pitschnass geworden bin.

Heute morgen bin ich zeitig aufgestanden - früher als an normalen Schultagen in Deutschland. Einige ganz Verrückte aus unserer GEW-Delegation sind allerdings noch früher um 4:30 Uhr aufgestanden, um zur Papageieninsel zu fahren. Da nahm ich es doch etwas entspannter und begann den Vormittag mit einer Stadtrundfahrt durch Belém, organisiert vom DGB. Unserer Stadtführer Àvlon zeigte uns wunderschöne Ecken der Millionenstadt an der Amazonasmündung, die über mehr als vier Jahrhunderte Geschichte zurückblicken kann. Nicht ohne Grund trägt Belem den Namen ‚Stadt der Wasser’.

Beeindruckend sind die vielen Märkte und die Architektur. Während unsere GEW-Delegation Keramiktöpfe von lokalen Kunsthandwerkern besichtigte und Wunderkräuter aus Amazonien probierte, organisierte Manfred Brinkmann gemeinsam mit unserem brasilianischen Kollegen Francisco ‚Chico’ Rodrigues für die Auftaktdemonstration des Weltsozialforums am Nachmittag Stangen für unser Transparent und Gas für die GEW-Luftballons.

Rechts: Belém wurde vor ueber vier Jahrhunderten von den Portugiesen gegründet
Mitte: Viele Menschen leben vom Wasser
Rechts: Aus Besen werden Stangen für die Fahnen und das Transparente der GEW

Die GEW war dadurch für die Demo gut vorbereitet und ein echter Blickfang für die Zuschauer, denn immerhin wollten wir zwischen all den vielen Menschen und Gruppen nicht untergehen. Mit unseren riesigen Luftballons, den Fahnen und Transparenten zogen wir in Richtung der Docks , wo der Demonstrationszug beginnen sollte. Am Straßenrand warteten wir dann auf die Delegationen des DGB und des brasilianischen Gewerkschaftsbundes CUT, bei der wir uns einreihen wollten. Doch plötzlich brach der Himmel auf und es goss wie aus Eimern. Das nennt man in Brasilien Regenzeit. An anderen Tagen war der Regen nach wenigen Minuten vorbei, aber heute.... . Es regnete und regnete und regnete.

Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch. Die GEW kriegt so schnell niemand unter, und da wir nicht aus Zucker sind, trotzten wir dem Regen und einige nutzten die Dusche sogar zum Tanzen. Menschen aller Hautfarben, ein Meer aus bunten Farben und zahlreiche Lautsprecherwagen säumten die Strasse. So zogen etwa 30. 000 Leute den Demonstrationsweg zur Abschlusskundgebung hinauf. Zum Glück war es tropisch heiß, sodass wir nicht frieren mussten und unsere nassen Kleidungsstücke schnell wieder trockneten. Mit uns demonstrierten zahlreiche Indianer, die bemalt und in traditioneller Kleidung gegen die Bedrohung ihrer Lebensräume durch industrielle Großprojekte, Staudämme und großflächigen Sojaanbau protestierten.

Ein toller Tag, der eindrücklich das Motto des Weltsozialforums widerspiegelte: Eine andere Welt ist möglich. So viele Nationen und unterschiedliche Kulturen demonstrierten friedlich miteinander, um ein positives Beispiel dafür zu geben, dass die Welt, wie wir sie heute erleben, sich ändern muss und dass die Vision einer anderen Welt der Solidarität, der Gerechtigkeit, des Friedens und des Einklangs mit der Natur auch wirklich werden kann.

Links: 'Free Quality Education for all'
Mitte: Ein tropischer Wolkenbruch macht alle in Sekunden nass
Rechts: Stefanie Kramer inmitten der Demonstranten

Fotos: Manfred Brinkmann

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