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/ Jahrgang 2007
/ 01/2007
Wert der Arbeit: Statements aus der GEW 01/2007
Die Landeshaushalte sind die Messlatte für die Bezahlung der pädagogischen Arbeit. Ihr Zustand spiegelt den Spielraum für Veränderungen wider. Seit vielen Jahren wird dieser dank massiver Steuererleichterungen für Begüterte und Gewinne kleiner. Die Folge: Dem wachsenden privaten Reichtum steht die Armut öffentlicher Kassen gegenüber. Für die öffentlichen Bediensteten bleiben - trotz Wachstum des Bruttosozialprodukts - nur Gehalts- und Versorgungskürzungen.
In diesem Sinne definiert sich der „Wert der Arbeit der Pädagoginnen und Pädagogen“ an dem Einfluss, den diese in den gesellschaftlichen Verteilungsprozessen geltend machen können. Je stärker ihre Gewerkschaft, die GEW, desto eher kann es gelingen, den großen Graben zwischen den hohen Ansprüchen an die Pädagogen und ihrer Bezahlung durch gute Tarifverträge zu schließen.
„Vom faulen Sack zum Held des Alltags – Proud to be a teacher?“ Diesen Text hat sich ein engagierter GEW-Kollege aufs T-Shirt gedruckt. Er zeigt die ganze Bandbreite der Wertschätzung pädagogischer Arbeit. Während Politikerinnen und Politiker am Sonntag das Hohelied der pädagogischen Arbeit singen, kürzen sie am Montag die Gehälter und erhöhen die Arbeitszeit. Damit diskreditieren sie die Arbeit aller im Bildungsbereich Beschäftigten. Dennoch ist es umso wichtiger, dass wir unsere Interessen selbstbewusst und offensiv vertreten.

Pädagogische Arbeit ist so viel wert, dass sie quasi unbezahlbar ist. Viele Pädagoginnen und Pädagogen reiben sich für ihren Beruf auf, riskieren dabei ihre Gesundheit und haben erhebliche Probleme, auch mal abzuschalten. Zwar nagen sie nicht am Hungertuch, doch zu den Spitzenverdienern in diesem Land zählen sie beileibe nicht. Will man den Pädagoginnen und Pädagogen die Wertschätzung erweisen, die sie verdienen, muss sich das auf jeden Fall auch in einer dem Wert ihrer Arbeit entsprechenden Entlohnung niederschlagen.

Eine Frage, die wir wertfrei kaum werden beantworten wollen. Schließlich vertreten wir bei der Wertmessung klare Interessen: Unsere eigenen materiellen und die zukunftsbezogenen einer fortschrittlichen Gesellschaftsentwicklung. In diesem Sinne können wir von echter Wertarbeit sprechen, sind doch Bildungs- und Erziehungsprozesse komplex wie notwendigerweise hochgradig professionell angelegt. Eine starke Professionalität der Pädagogen ist mithin wertvoll, unterstützt sie die Menschen letztlich darin, ihre Persönlichkeiten zu entwickeln. Das ist bekanntermaßen nicht jedem recht, insbesondere nicht den Lohndrückern in Parlamenten und Geschäftsführungen mit einem verengten Bildungsbegriff. Eine angemessene Wertschätzung unserer Arbeit bezieht sich damit immer auch auf die Interessen der Bewerter. Wir sind deshalb gefordert, Bündnisse zu schließen, die unsere materiellen und ideellen Wertvorstellungen stützen.

Pädagoginnen und Pädagogen wissen, was unsere Arbeit wert ist. Die Gesellschaft weiß es auch: Bildung und Erziehung der jungen Generation ist das Wichtigste für die Zukunft jedes und jeder Einzelnen und dieser Gesellschaft. Verantwortliche Politiker in Regierungen und Parlamenten schätzen unsere Arbeit offenbar wenig. Denn außer Lippenbekenntnissen und Phrasen in Talkshows und im Wahlkampf kommt nicht viel. Oder weshalb brauchen wir unsere ganze gewerkschaftliche Kraft und die Solidarität aller im Bildungsbereich Beschäftigten, um uns gegen die Verschlechterung unserer Arbeitsbedingungen, die Erhöhung der Arbeitszeit und den Abbau von Bezahlung unserer Arbeit zu wehren?
Vor dem Hintergrund hoher Wertschätzung von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist pädagogische Arbeit eine der wertvollsten Tätigkeiten überhaupt. Gesellschaftliche Wertschätzung von jungen Menschen und pädagogischer Arbeit sind unauflösbar miteinander verbunden. Unser Bildungswesen ist auf beiden Seiten jedoch nicht von solcher grundlegenden Wertschätzung geprägt. Seine Ausrichtung an Auslese und zunehmender Testeritis, mit Inkaufnahme von Beschämung und damit Beschädigung junger Menschen, ist eine Seite. Die andere: Das Personal wird umso schlechter bezahlt, je umfangreicher der pädagogische Anteil an seiner Ausbildung ist.
PISA belegt die derzeitige bildungspolitische Schwindsucht. Und Sonntagsreden mehr oder weniger prominenter Politiker lassen in erster Linie den journalistischen Blätterwald rauschen. Wenn Politik Bildung wirklich als Treibstoff gesellschaftlicher Entwicklung begriffe und entsprechend handelte, würde deutlich Licht am Ende des Tunnels sichtbar. Das Ziel pädagogischer Arbeit liegt letztlich in der Befähigung der Schüler zum selbstständigen lebenslangen Lernen, verbunden mit dem Erwerb sozialer Kompetenz. Und das muss uns etwas wert sein.
Motivierte und selbstbewusste Lehrkräfte führen Schülerinnen und Schüler zu einem besseren Ergebnis. „Proud to be a teacher“ setzt eine angemessene und Respekt zollende Eingruppierung und Bezahlung voraus. Niedriglöhne hingegen führen zur Demotivation. Warum noch ein langes Studium und ein Referendariat durchstehen, wenn danach keine entsprechende Wertschätzung durch die öffentliche Hand folgt? Die Wertschätzung des Lehrberufs in Sonntagsreden ist gestiegen. Jetzt muss den Worten das Gehalt folgen.
Pädagogische Arbeit kann und darf nicht von Land zu Land bzw. von angestellten zu beamteten Lehrkräften unterschiedlich bewertet werden. Der Wert pädagogischer Arbeit richtet sich nach den Tätigkeitsfeldern, in denen die Kolleginnen und Kollegen eingesetzt werden. Deshalb brauchen wir tarifvertragliche Regelungen, die in der ganzen Bundesrepublik Geltung haben (sollten/müssen). Einseitige Festlegungen der Arbeitgeber können und wollen wir nicht mehr akzeptieren, denn der Wettlauf nach unten hat schon längst eingesetzt (siehe Regierungserklärung von Kurt Beck (SPD), Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, vom 30. Mai 2006).
Gute Bildung und Erziehung sind Ziel und Ergebnis professioneller pädagogischer Arbeit in allen Lebens- und Entwicklungsphasen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Insofern hat pädagogische Arbeit für die gesamte Gesellschaft ihren Wert und sollte entsprechend vergütet werden. Besonders der überholte Grundsatz: „Kleine Kinder – kleines Gehalt“ muss durchbrochen werden. Maßstab für die Vergütung pädagogischer Arbeit müssen die Entgeltgruppen 12 und 13 (bei Pädagogen mit abgeschlossener Hochschulausbildung) sein.
Mein Zu-Satz: Ein Zweihundertstel des derzeitigen Deutsche-Bank-Chef-Gehaltes ist für die Arbeit eines Pädagogen, eingedenk seiner Bedeutung, wohl nicht zu viel verlangt – oder?