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01.01.2007

Der Wert pädagogischer Arbeit

Im Rahmen der Neuordnung des Tarifrechts im öffentlichen Dienst (TVöD) werden die alten Eingruppierungsregelungen des Bundesangestelltentarifvertrags (BAT) durch eine neue Entgeltordnung ersetzt. Im Zuge dieser Verhandlungen soll dabei erstmals eine Entgeltordnung für angestellte Lehrkräfte tarifvertraglich vereinbart werden.
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Volkshochschule

Manchmal sind es die ganz abseitigen Dinge, die Gabriele Müller freuen. Wer hätte schon gedacht, dass sie sich mit ihrer Arbeit in der Volkshochschule (VHS) ausgerechnet in der Familienzusammenführung verdient macht? Das fällt Georg Schultze (Name geändert) nämlich als erstes ein, als er gefragt wird, ob sich der Unterricht lohnt. „Auf jeden Fall“, sagt er, und, ein schüchternes Lächeln später, „neulich habe ich meinen Bruder in Karlsruhe besucht. Alleine. Das habe ich mich früher nie getraut.“

Auch nach dem Mauerfall blieb die Reise von Sachsen-Anhalt nach Baden-Württemberg für den 55-Jährigen ein Trip mit unüberwindlichen Hindernissen. Das Bahnticket hätten seine Kinder kaufen und ihn zum Zug bringen können – aber schon das Umsteigen in Magdeburg hätte ihm den Schweiß auf die Stirn getrieben. Schlimmstenfalls wäre er umgekehrt, um nicht fragen zu müssen, auf welchem Gleis der Anschlusszug fährt. „Das steht doch angeschlagen!“ heißt es dann zuweilen – eine Information, die Georg Schultze bis vor kurzem nichts nützte.

Heute lernt der 55-Jährige Lesen und Schreiben. An vier Tagen in der Woche sitzt er drei Stunden lang in Gabriele Müllers Alphabetisierungskurs für Anfänger. Wie in der Schule liegen vor ihm eine Griffelmappe, eine karierte Kladde und ein Hefter mit Arbeitslättern, auf dem „Farbenfroher Herbst“ geschrieben steht. Ebenfalls wie in der Schule gleitet Georg Schultzes Zeigefinger unter jedem Wort entlang, wenn er etwas vorliest: „Der Förster kümmert sich um den Wald“, liest er, ganz langsam, und Gabriele Müller sagt: „Prima – und am Ende des Satzes die Stimme senken!“

Als ihr Sprössling verrät, wie glücklich er über den Unterricht ist, strahlt die Lehrerin. Dabei hat der freundliche Herr in dem gebügelten Hemd und mit der Lesebrille auf der Nase doppelt Recht. Ohne sie würde der Vater und Großvater vermutlich gar nicht in dem Alphabetisierungskurs sitzen. Denn Gabriele Müller leitet diesen nicht nur – sie hat ihn auch entwickelt. Vor drei Jahren fasste sich die arbeitslose Lehrerin ein Herz und schlug dem Leiter der Kreisvolkshochschule vor, erwachsene Analphabeten zu unterrichten. Rüdiger Schöll, selbst ein engagierter Pädagoge auf der andauernden Suche nach einem Profil seiner Einrichtung, das den Menschen der Region gerecht wird, war erfreut. Gemeinsam entwarfen sie ein Konzept, das die ortsansässige ARGE (kommunale Arbeitsagentur) überzeugte: 2,60 Euro pro Stunde überweist sie pro Teilnehmer, den sie der VHS schickt – in der Hoffnung, dem ein oder anderen einen Einstieg in das Berufsleben zu ermöglichen.

Konzept für die Region

Wer Herrn Schöll und Frau Müller besucht, bekommt schnell den Eindruck, dass ihre Umgebung engagierte Leute gut gebrauchen kann: Wie jede Stadt in Sachsen-Anhalt ist auch das hübsche kleine Städtchen von Abwanderung betroffen: 1990 lebten noch mehr als 26 000 Menschen in Burg, heute nur noch 24 000; ein schleichender Prozess, der sich jedes Jahr durch den Verlust von hundert bis zweihundert weiteren Menschen fortsetzt. Zuerst ist jedoch die Arbeit abgewandert. Wo einst Schuhe produziert worden sind, lernen heute Berufsschüler. Wo Arbeiter einst Etikettiermaschinen für Flaschen hergestellt haben, kümmern sich heute die Fallmanager der ARGE um die ehemaligen Beschäftigten.

Auch Gabriele Müller war jahrelang arbeitslos. Nach 20 Jahren im Schuldienst wurde sie 1991 entlassen. 13 Jahre schlug sie sich – wie zahllose ihrer Kollegen in den neuen Ländern – irgendwie durch; wechselte mal von der Arbeitslosigkeit auf eine ABM-Stelle und wieder zurück; mal verdiente sie in der Verkehrserziehung oder in einer Schule für Lernbehinderte ein paar Euro. „Lange dachte ich: Es muss doch etwas passieren!“ erinnert sie sich, – „aber: Es passierte nichts!“ Mit einem Abschluss als Grundschullehrerin hatte sie gegenüber Sekundarschul-Kollegen schlechte Karten – und eigentlich wollte ohnehin niemand mehr Lehrer mit einem DDR-Examen einstellen: „Bis ich wahrhaben wollte, dass meine Laufbahn beendet ist, das hat gedauert“, sagt sie. Als sie es begriff, weckte das erstaunlicherweise nicht in erster Linie Resignation, sondern Ehrgeiz in der damals 50-Jährigen: „Du musst dir selber helfen – sonst hilft dir keiner – als ich das kapiert habe, dachte ich: So! Und das tue ich jetzt!“


Im Auftrag der „Lebenshilfe e.V.“ begann sie, Menschen mit Behinderung zu alphabetisieren. Der Anfang war mühsam: „Es gab kaum Material für Erwachsene. Ich habe Schulbuch für Schulbuch, Lernheft für Lernheft gewälzt. Mein Arbeitszimmer sah aus wie ein Schlachtfeld!“ Im Lauf der Zeit gewann sie nicht nur an Material, sondern auch an Erfahrung – und Selbstsicherheit: „Wer lange aus dem Beruf ist, verliert seine Souveränität.“ Das trifft ganz besonders auf ihre Klientel zu.
Wer die 54-Jährige durch ihren Arbeitstag begleitet, kann das bestätigen. Von 8.30 bis 11.45 Uhr steht sie vor ihrem ersten Alphabetisierungskurs. Um 13 Uhr an einem Montag ist die achtköpfige Truppe dran, die sie in dem selbst entwickelten Einstufungstest als Anfänger definiert und zu einem zweiten Kurs zusammengefasst hat. Sechs Männer und zwei Frauen, keiner unter 30, die meisten über 50. Alle sind arbeitslos, etwa die Hälfte hat einen Ein-Euro-Job.

Montags wiederholt Gabriele Müller immer wieder das ABC, weil, auch das ist wie in der Schule, etliche ihrer Schüler übers Wochenende viel vergessen haben. Sie hat eine Liste mit Ländernamen von A bis Z kopiert: A wie Afghanistan, Z wie Zypern. Die acht sollen die Namen zu den Buchstaben heraussuchen, lesen, buchstabieren, in Silben zerlegen. Ein schwieriges Unterfangen.

Gabriele Müller ist eine Lehrerin, wie man sie sich wünscht: resolut, dabei humorvoll, kumpelhaft, doch professionell. Mit enormer Geduld und mit ein paar unverkennbaren Lehrerinnen-Gewohnheiten: Jedes Mal wenn sie
„ver-län-gern“ sagt, wippt in einem in Jahrzehnten verinnerlichten Automatismus zur Betonung die rechte Hand im Takt – und jedes Mal wird dabei sichtbar, dass sie ihr Stück Kreide nie aus der Hand legt.

„Von nichts kommt nichts“

Am nächsten Tag wird die Gruppe wiederkommen. 24 Wochenstunden unterrichtet Müller an der VHS Jerichower Land. Das ist aber noch nicht alles. Dazu kommen sechs Stunden in der „Lebenshilfe e.V“ und drei Unterrichtsstunden private Nachhilfe. „Von nichts kommt nichts“, meint sie. „Es muss ja genug zum Leben bleiben.“ Dass sie eine unterbezahlte Honorarkraft ist, würde Gabriele Müller allerdings nie äußern. „Ich habe mich selbstständig gemacht“, sagt sie, mehr stolz als verbittert, „und für meine Arbeit nehme ich so viel Geld wie die Träger zahlen können.“ Im Falle der VHS Jerichower Land ist das der höchste Stundensatz, den diese überhaupt zu bieten hat: 15 Euro für 45 Minuten.

Rüdiger Schöll weiß, dass die Arbeit der Wenigen, die in der Region Bildungsarbeit leisten, unterbewertet und damit unterbezahlt ist. Und dann nennt er ein paar Zahlen, die ihn täglich beschäftigen. 3200 Unterrichtsstunden muss die VHS in der Region mit weniger als 100000 Einwohnern in jedem Jahr mit Teilnehmern füllen – sonst streicht das Kultusministerium seine Unterstützung, immerhin ein knappes Fünftel des Etats. Ein Drittel zahlt die Kommune. Ziemlich genau die Hälfte des VHS-Etats müssen die Teilnehmer aufbringen. Der niedrigste Stundensatz liegt bei 1,65, der höchste bei 3,50 Euro. „Mehr geht nicht“, sagt Schöll, „hier wird jeder Cent umgedreht.“

Nur ein kleiner Teil der Kurse wird nach dem Sozialgesetzbuch (SGB III) oder dem Zuwanderungsgesetz gefördert: Zwei Alphabetisierungs-Kurse, zwei Integrationskurse, das war es auch schon fast. In wenigen Tagen beginnt ein Kurs zum Nachholen des Hauptschulabschlusses – aber auch dabei hat die VHS einen schwereren Stand als anderswo: Seit der Bildungsreform 1991 sind Volkshochschulen in Sachsen-Anhalt keine anerkannten Institutionen des Zweiten Bildungsweges mehr. Sie dürfen weder Abschlüsse erteilen noch werden sie vom Kultusministerium gefördert.

Das ist der Rahmen, in dem die Kreisvolkshochschule Jerichower Land regelmäßig so um die 2500 Menschen mit Nachhilfe, Bildung und kulturellem Ausgleich versorgt. Organisiert von vier Festangestellten. Ausgeführt von 60 bis 70 Honorarkräften, die, wie Gabriele Müller, immer wieder alles geben – für wenig Geld und viele gute Worte.

Jeannette Goddar


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Pädagogische Tätigkeit muss angemessen bezahlt werden

In barer Münze

Im Rahmen der Neuordnung des Tarifrechts im öffentlichen Dienst (TVöD) werden die alten Eingruppierungsregelungen des Bundesangestelltentarifvertrags (BAT) durch eine neue Entgeltordnung ersetzt. Im Zuge dieser Verhandlungen soll dabei erstmals eine Entgeltordnung für angestellte Lehrkräfte tarifvertraglich vereinbart werden.

Bildung ist Lieblingsthema in Wahlkämpfen und Sonntagsreden. Zugleich ist das öffentliche Ansehen von Lehrerinnen und Lehrern auf den unteren Rängen der Beliebtheitsskala angesiedelt. Die Diskrepanz zwischen dem Wert von „Bildung“ und der gesellschaftlichen Anerkennung der Bildungsarbeiter ist nicht zu übersehen. In einem solchen medial verdorbenen Umfeld erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik Tarifverhandlungen über eine Entgeltordnung für Lehrkräfte zu führen, wird für die GEW zu einer schwierigen Aufgabe. Immerhin geht es in diesen Verhandlungen darum, den Wert pädagogischer Arbeit in bare Münze umzusetzen. Bewältigen kann die GEW diese Aufgabe nur, wenn sich die Beschäftigten – immerhin rund 300 000 angestellte Lehrkräfte in der Republik – aktiv ins Geschäft einmischen. Ein wesentlicher Teil der Auseinandersetzung sollte sich mit der Frage befassen, was dieser Gesellschaft pädagogische Arbeit von Lehrkräften, Erzieherinnen, Sozialpädagogen und Weiterbildnern auf Heller und Pfennig wert ist. Als größte Lehrkräfte und andere pädagogisch Beschäftigte organisierende Gewerkschaft ist die GEW geradezu verpflichtet, eine öffentliche Debatte darüber anzustoßen, dass Lern- und Erfolgschancen von Kindern und Jugendlichen untrennbar mit der Qualität der Arbeitsbedingungen des pädagogischen Personals verbunden sind.

Verknüpfung mit Politik

Es geht aber nicht nur um ein angemessenes Niveau , sondern darüber hinaus um die Struktur der Bezahlung. Denn hier zeigt sich vor allem die enge Verknüpfung mit bildungspolitischen Fragen. Seit den 50er Jahren folgte die Bezahlung der Lehrkräfte einer schlichten Ideologie: kleine Kinder – kleines Gehalt, große Kinder – größeres Gehalt.

Dass diese naive Sicht überholt ist, hat sich inzwischen auch in politischen Kreisen herumgesprochen. Die Bedeutung frühkindlicher Bildung und Erziehung wird von Politikern jeglicher Couleur beteuert. In der Lehrerbildung wird von Fachleuten zu Recht gefordert, die neuen Studiengänge Bachelor und Master durchlässiger und für alle Schulstufen- und -formen auf gleichem Niveau zu organisieren. Daraus könnte sich auch eine einheitliche Gestaltung der Arbeits- und Vergütungsbedingungen für Lehrkräfte ergeben. Die GEW macht sich stark für „Eine Schule für alle“ – da ist es nur konsequent, eine niveaugleiche, wenn auch inhaltlich unterschiedlich ausgerichtete Lehrerausbildung mit gleicher Bezahlung zu fordern. Schulstruktur, Lehrerbildung und -bezahlung stehen in einem engen inhaltlichen Zusammenhang. Mit der Föderalismusreform sind den Ländern gerade in den Bereichen Bildungspolitik, Laufbahn und Besoldungsrecht – die alleinigen Regelungskompetenzen übertragen worden. Für die GEW heißt das, sich zu engagieren, dabei die größtmögliche Einheitlichkeit zu bewahren oder herzustellen. Dazu gehört beispielsweise eine einheitliche Lehrerausbildung, die mit einem Master-Abschluss endet, in dem die Anforderungen für die verschiedenen Schulstufen durch unterschiedliche inhaltliche Akzente, nicht aber durch eine unterschiedliche Dauer der Studiengänge oder Abschlüsse sicher gestellt werden. Sofern aus laufbahnrechtlichen Gründen an einem Referendariat festgehalten wird, sollte es von gleicher Dauer sein und zu einer einheitlichen Zuordnung in die Entgeltgruppe 13 bzw. bei Verbeamtung in A 13 (höherer Dienst) führen.

Diese Ziele lassen sich nur durchsetzen, wenn sie gemeinsam von Lehrkräften und Lehramtsstudierenden angestrebt werden und diese bereit sind, aktiv dafür zu streiten. Anfang 2006 haben die Ärzte – bisher in Tarifauseinandersetzungen eher unauffällig – den jahrelangen Verschlechterungen ihrer Arbeits- und Einkommensbedingungen entschlossenen Widerstand entgegengesetzt. Der Versuch der Politik, das ärztliche Personal als egoistisch und nicht „dem Gemeinwohl“ verpflichtet darzustellen, misslang. Gesundheitswesen und medizinisches Personal genießen weiterhin hohes Ansehen in der Bevölkerung.

Die Beschäftigten im Bildungswesen haben es hinsichtlich des Ansehens in der Öffentlichkeit erheblich schwerer. Deshalb müssen wir aber nicht verschämt in Deckung gehen. Im Gegenteil.

Auch Pädagogen können den Wert ihrer Arbeit darstellen und sie wären klug beraten, für ihre Forderungen selbstbewusst einzutreten. Dazu gehört auch die Bereitschaft, in allen Bildungseinrichtungen – mit Eltern, Politikern, Journalisten – über den Wert pädagogischer Arbeit zu diskutieren. So schwer ist es nämlich nicht: Wer Qualität in der Bildung will, sollte auch bereit sein, dafür einen angemessenen Preis zu bezahlen.

Ilse Schaad


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Grundsätze der Bildungsgewerkschaft zur Eingruppierung von Lehrkräften

Tarifforderungen

Die Bundestarifkommission (BTK) und der
Koordinierungsvorstand (Geschäftsführender Vorstand und Landesvorsitzende) der GEW haben für die Mitgliederdiskussion zu den Tarifforderungen zur Eingruppierung von Lehrkräften an
allgemein- und berufsbildenden Schulen folgende Grundsätze beschlossen:

„Lehrkräfte sind in Abhängigkeit von ihrer Ausbildung und der entsprechenden Tätigkeit eingruppiert. Eine darüber hinausgehende Differenzierung der Eingruppierung von Lehrkräften nach Schulformen und Schulstufe erfolgt nicht.
Lehrkräfte, die nicht über die Qualifikation, die für die jeweilige Lehrtätigkeit erforderlich ist, verfügen, sind nach einer entsprechenden Lehrtätigkeit von x Jahren – zusätzlich gegebenenfalls auch in Abhängigkeit von der Erfüllung von Ausgleichsmaßnahmen – in die Entgeltgruppe eingruppiert, in die sie bei Besitz der erforderlichen Qualifikation von Anfang an eingruppiert wären. Die Eckeingruppierung erfolgt in die Entgeltgruppe 13. In diese Entgeltgruppe sind Lehrkräfte eingruppiert, die
– als Lehrer tätig sind,
– und die über eine abgeschlossen Lehrerausbildung verfügen.

Lehrkräfte mit einer Ausbildung nach dem Recht der DDR sind in die Entgeltgruppe eingruppiert, die dem jeweiligen Abschluss entspricht *

Lehrkräfte sind bei auszuübender höherwertiger Tätigkeit oder auch bei besonderen schulbezogenen Aufgaben, wie zum Beispiel Fachleiter/innen, Fachbereichsleiter/innen, Hauptseminarleiter/innen,
pädagogischer Koordinator/innen, Rektor/innen, Konrektor/innen und Schulleiter/innen, entsprechend höher gruppiert.

Die vor dem In-Kraft-Treten der Entgeltordnung für Lehrkräfte gegenüber der Eingruppierung aufgrund des bisherigen Eingruppierungsrechts (Vergütungsordnung) günstigere Eingruppierung wird von dem In-Kraft-Treten der Entgeltordnung für Lehrkräfte nicht berührt. Sie gilt als einzelvertraglich vereinbarte Entgeltgruppe fort. Eine Kündigung zum Zwecke der Herabgruppierung ist ausgeschlossen (Sicherung des Besitzstandes).

Die Eingruppierung von Lehrkräften ** erfolgt nach den Tätigkeitsgruppen:


  • pädagogische Unterrichtshilfen und vergleichbare Beschäftigte
  • Lehrkräfte sowie Leiterinnen und Leiter von Schulkindergärten und Vorschulklassen
  • Fachlehrer/innen, Fachpraxislehrer/innen, Werkstattlehrer/innen, Technische Lehrer/innen und Fachlehrer/innen für arbeitstechnische Fächer an berufsbildenden Schulen
  • Fachlehrer/innen an Sonder-/Förderschulen
  • Lehrer/innen im allgemeinbildenden und berufstheoretischen Unterricht an allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen und Lehrer an Sonder-/Förderschulen
  • Lehrkräfte mit zusätzlichen oder besonderen Funktionen, wie zum Beispiel Fachleiter/innen, Fachbereichsleiter/innen, Fachseminarleiter/innen, Hauptseminarleiter/innen
  • Leitungspersonal, wie zum Beispiel Schulleiter/innen und deren Stellvertreter/innen, Rektor/inn/en, Konrektor/inn/en, Abteilungsleiter/innen.


Bewährungsaufstiege und sonstige Aufstiege sind vorenthaltener Lohn. Die Lehrkräfte mit einem entsprechenden Aufstieg nach heutigem Recht sind deshalb in die Entgeltgruppe eingruppiert, deren zugeordnete Vergütungsgruppe der Aufstiegsvergütungsgruppe entspricht.“

Anmerkungen:
* Das gilt auch für Lehrkräfte mit einer nach dem Recht der DDR bestimmten Ausbildung, die im Schuldienst eines Bundeslandes, in dem bis zum 3. Oktober 1990 das Grundgesetz gegolten hat und im Westteil Berlins beschäftigt werden.
** Zu den Lehrkräften gehören auch Freundschaftspionierleiter/innen, Erzieher/innen, Kinderdiakone, Heilpädagog/innen, Logopäd/innen, Sozialpädagog/innen, wenn die Vermittlung von Kenntnissen und Fertigkeiten im Rahmen eines Schulbetriebes ihrer Tätigkeit das Gepräge gibt.


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Von der Willkür beim Tauschwert...

… und der Schwierigkeit einer Kalkulation

Der Wert pädagogischer Arbeit für den Schulbereich: Das Thema reizt zu grundsätzlichen Erwägungen. Es gilt zu unterscheiden zwischen ideellem und materiellem (bezifferbarem) Wert und es gilt mit Friedrich Engels zwischen dem Wert der Arbeit und dem Wert der Arbeitskraft zu unterscheiden (Engels in seiner Einleitung zu Karl Marx „Lohnarbeit und Kapital“, 1891).

Der Tausch-Wert der pädagogischen Arbeitskraft bemisst sich demnach wie bei jeder anderen angebotenen Arbeitskraft danach, „welche Summe von Lebensmitteln – oder deren Geldpreis –, durchschnittlich für nötig gehalten werden“, um die Arbeitenden „arbeitsfähig zu machen, arbeitsfähig zu erhalten und sie bei ihrem Abgang durch Alter, Krankheit oder Tod“ durch neue Arbeitskräfte „zu ersetzen“.

Lehrerinnen und Lehrer sind die Hauptanbieter der pädagogischen Arbeitskraft. Es fällt auf, dass zum Erhalt ihrer Arbeitskraft und zur Reproduktion des benötigten Nachwuchses seitens der Arbeitgeber nach Schulformen unterschieden und unterschiedlich viel Geld aufgewendet wird. Je jünger die Kinder und je niedriger das Ansehen der Schulform ist, desto weniger ist danach die pädagogische Arbeitskraft wert. Wer seine pädagogische Arbeitskraft in den östlichen Bundesländern anbietet, bekommt einen Tauschwert im Umfang von 92,5 Prozent des West-Werts.

Diese Unterschiede lassen sich rational nicht begründen. Der Tauschwert der pädagogischen Arbeitskraft im Schulbereich wird ganz offenbar willkürlich bestimmt. Für die Arbeitskraft von Erzieherinnen, Unterrichtshilfen, Nachhilfelehrern bis hin zu pädagogischen Ein-Euro-Jobbern gilt dies umso mehr.
Während der Tauschwert der pädagogischen Arbeitskraft zwar willkürlich aber immerhin noch zu beziffern ist, ist das beim Wert der pädagogischen Arbeit bedeutend schwieriger – vor allem dann, wenn man sich nicht nur mit der bloßen Beschreibung vermuteter ideeller und materieller Werte beschäftigen will. Die Frage nach dem Wert pädagogischer Arbeit ist auch die Frage nach der Wertschöpfung, die durch pädagogische Arbeit möglich wird – und zwar sowohl für den Einzelnen wie für die gesamte Gesellschaft.

Die OECD macht in ihrer letzten Ausgabe von „Bildung auf einen Blick 2006“ bezifferbare Angaben zu dieser individuellen und gesellschaftlichen Wertschöpfung. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Bildung – als ein Ergebnis pädagogischer Arbeit – eine der wichtigsten Produktivkräfte des Informationszeitalters ist und sich für Individuen und Gesellschaft außerordentlich lohnt und in Euro und Cent auszudrücken ist: im Hinblick auf das erzielbare individuelle Einkommen, auf die wirtschaftliche Produktion, auf die Arbeitsproduktivität bis hin zum geistigen und körperlichen Gesundheitszustand einer Gesellschaft.

Über den ideellen bzw. den nicht oder nur schwer bezifferbaren Wert pädagogischer Arbeit ist damit noch nichts gesagt. Aber es ist sicher, dass es ihn gibt: für die Lebensqualität, die kulturelle Teilhabe und Genussfähigkeit, die Konfliktbewältigung, die gesellschaftliche Integrationskraft, für Sinnfindung und Sinnstiftung, für Solidarität und Demokratiefähigkeit, für die geistige, seelische und körperliche Gesundheit des einzelnen wie der Gesellschaft. Der ideelle Wert pädagogischer Arbeit ist schwer oder gar nicht zu beziffern – wohl wahr – aber es wäre äußerst töricht, ihn nicht auf der Rechnung zu haben.

Marianne Demmer


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Forschung ist nicht alles – Hochschulen würdigen pädagogische Arbeit zu wenig

Exzellenz – auch in der Lehre

Dem Namen nach ist nicht etwa die Forschung, sondern die Lehre für den Professorenberuf identitätsbildend, in dem eben keine „Hochschulforscher“, sondern Hochschullehrerinnen und -lehrer wissenschaftlich tätig sind. Und ihr Arbeitsplatz ist eine Hoch-Schule, nicht etwa eine „Hoch-Forschungseinrichtung“. Die Realität ist bekanntlich eine andere.

Exzellenz in der Forschung – ablesbar z. B. an der Zahl der Publikationen in Fachzeitschriften mit hohem „Impact-Faktor“ – ist die Grundlage für eine hohe Reputation in der scientific community und damit für die wissenschaftliche Karriere. Schon die Hochschullehrerlaufbahn ist fast ausschließlich auf die Forschung ausgerichtet. Bei der Habilitation handelt es sich zwar formal um die Erlangung der Lehrbefugnis (venia legendi), ihr Kern ist aber die Habilitationsschrift, mit der der wissenschaftliche Nachwuchs den Stand der Forschung im jeweiligen Fach voranbringen soll.

Folge ist die professorale Neigung zur Delegation von Lehraufgaben – an den akademischen Mittelbau, an den wissenschaftlichen Nachwuchs, an Lehrbeauftragte, ja sogar an studentische Beschäftigte. Ihnen (und etlichen engagierten Hochschullehrern) ist es zu verdanken, dass die Hochschulen seit über 30 Jahren unter Überlastbedingungen erfolgreich ausbilden – nicht selten auf höchstem Niveau. Nicht zufällig haben gerade diejenigen, auf deren Schultern ein Großteil des Lehrbetriebs lastet, unter den schwierigsten Beschäftigungsbedingungen zu arbeiten. Jenseits der Professur wird das wissenschaftliche Personal heute fast ausschließlich befristet beschäftigt; Kettenverträge auf der Basis von Befristungen unter einem Jahr sind keine Seltenheit mehr. Mit dem neuen „Wissenschaftszeitvertragsgesetz“ möchte die Große Koalition die Befristungsmöglichkeiten weiter ausdehnen und damit letztlich den Kündigungsschutz unterlaufen. An Stelle von wissenschaftlichen Angestellten beauftragen die Hochschulen zunehmend nebenberuflich Tätige wie Lehrbeauftragte oder wissenschaftliche Hilfskräfte mit Lehraufgaben: Sie arbeiten in der Scheinselbstständigkeit bzw. in prekären Beschäftigungsverhältnissen.

Hochschulen sind Einrichtungen des tertiären Bildungssektors, den Wert der von ihnen geleisteten pädagogischen Arbeit würdigen sie nicht. Für die GEW ist das eine falsche Akzentsetzung. Die Bildungsgewerkschaft fordert, dass Forschung und Lehre in tariflich geregelten Beschäftigungsverhältnissen erbracht werden. Auch die Befristungsregeln dürfen nicht einseitig staatlich oktroyiert werden, sondern sind mit den Gewerkschaften auszuhandeln. Professionelle Hochschullehre kann erlernt werden; die Möglichkeiten zur hochschuldidaktischen Fort- und Weiterbildung sind daher zu fördern. Die Lehrqualifikation muss ein wichtiges Kriterium sowohl bei der Einstellung als auch in der weiteren Laufbahn des wissenschaftlichen Personals sein und regelmäßig – auch von den Studierenden – beurteilt werden.

Falsche Akzentsetzung

Schließlich gehören bereits die Strukturen des Wissenschaftssystems auf den Prüfstand. Warum gibt es eine Deutsche Forschungsgemeinschaft, aber keine „Deutsche Lehrgesellschaft“? Warum fördert die Exzellenzinitiative den Ausbau der universitären Spitzenforschung, aber nicht die exzellente Lehre an Universitäten und Fachhochschulen?

Andreas Keller


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Anforderung und Vergütung: die Erzieherin

Nicht im Gleichgewicht

Fragt man die Erziehungswissenschaft, so attestiert diese, dass Erziehung und Bildung in früher Kindheit entscheidend für das ganze Leben sind.

Kindheit ist die Zeit der Bildung in einem umfassenden Sinne, denn es geht nicht nur darum, die grundlegenden Kulturtechniken zu lernen und das Wissen zu übernehmen, das Menschen als künftige Berufstätige und Bürger eines demokratischen Gemeinwesens benötigen, sondern auch darum, sein Leben als Partner in vielerlei Beziehung zu anderen führen zu können, als jemand, der anderen rät und sie unterstützt, der fremde Kulturen achtet, der weiter zu lernen vermag, der sich freuen kann, der klug zu urteilen versucht und Schmerz und Unglück nicht verdrängt. ... Alle Einrichtungen, die Kinder aufnehmen, haben Teil an diesen Bildungsprozessen.“ Dieses Zitat aus dem zehnten Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung beschreibt den Auftrag für die pädagogische Arbeit. Auch Volkswirte belegen seit Jahren, dass sich Bildung und Erziehung in den frühen Jahren lohnen: Ein in Kindertagesstätten investierter Euro erbringt einen volkswirtschaftlichen Ertrag von vier Euro.

Was nutzt alles Lob?

Niemand bestreitet, dass Erzieherinnen einen in höchstem Maße verantwortungsvollen Beruf ausüben, auch nicht die Träger von Kindertagesstätten. Im Gegenteil: Politiker und Verbände werden nicht müde, den Wert pädagogischer Arbeit hervorzuheben. Doch was nutzen alle Komplimente und alles Lob? Wie sieht es mit dem Verdienst aus? Im Bundesangestelltentarifvertag (BAT) ging eine ledige Erzieherin im Westen mit brutto 2623 Euro nach Hause, netto 1543 Euro. Für Erzieherinnen das höchstmögliche Gehalt, die Endstufe im Gruppendienst bei einer vollen Stelle. Im Osten, wo es kaum ganze Stellen gibt, erreicht eine Erzieherin mit 30 Wochenstunden im Höchstfall 1820 Euro brutto. Im Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) fangen Erzieherinnen seit dem 1. Oktober 2005 im Westen mit 1960 Euro brutto an – im Osten auf voller Stelle mit 1872
Euro.

Da es bislang keine Entgeltordnung gibt, ist noch nicht geklärt, wie die weiteren Stufen aussehen.

Entgeltgruppe 9 gefordert

Die GEW fordert für Erzieherinnen im Regeldienst einer Kindertagesstätte künftig mindestens die Eingruppierung in Entgeltgruppe 8. Damit kämen sie auf einen Monatsverdienst von 2140 bis – nach 15 Dienstjahren bei demselben Arbeitgeber – 2493 Euro brutto.

Die Tätigkeit der Erzieherin hat in den vergangenen Jahren von der Anforderung, der Verantwortung und der Bedeutung an Qualität in einem Maße zugenommen, das es rechtfertigt, diese Arbeit so zu vergüten wie die eines Fachhochschulabsolventen.

Allein die Tatsache, dass Erzieherinnen in Deutschland immer noch nicht an Hochschulen ausgebildet werden, erklärt die niedrigere Entgeltgruppe.

In allen Bundesländern sind inzwischen Bildungspläne für Kindertagesstätten erarbeitet worden. Sie werden mit unterschiedlicher Verbindlichkeit gehandhabt.

In den Ländern jedoch, die die pädagogische Arbeit nach Bildungsplänen gesetzlich vorschreiben, muss sich das auch auf die Bezahlung auswirken. Das bedeutet: Alle Erzieherinnen, die nach einem verbindlichen Kita-Bildungsplan arbeiten, sollen nach Entgeltgruppe 9 bezahlt werden.

Norbert Hocke


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Interview mit ehemaliger BER-Vorsitzenden Renate Hendricks

Ohne Vertrauenskultur geht nichts

Schätzen Eltern die pädagogische Arbeit der Lehrenden Wert genug? Wissen sie um deren Belastungen im Schulalltag? Darüber sprach E&W mit der ehemaligen Vorsitzenden des Bundeselternrats (BER), Renate Hendricks.

E&W: Zunächst: Für Eltern sind Lehrerinnen und Lehrer häufig die Sündenböcke der Nation, wenn ihre Kinder nicht die erhofften Leistungen erbringen. Wie aber nehmen Eltern pädagogische Arbeit wahr?
Renate Hendricks: Pädagogische Arbeit ist für die Gesellschaft unabdingbar, sie sichert die Zukunft des Landes. Wahrgenommen wird sie jedoch sehr unterschiedlich. Eltern beziehen ihr Urteil vor allem aus den Rückmeldungen ihrer Kinder, die wie Seismographen ihr Verhältnis zu den Lehrern mitteilen.

E&W:Was verstehen Eltern unter pädagogischer Arbeit – Vermitteln von Lehrstoff oder mehr?
Hendricks: Schule ist ein Ort von Bildung und Erziehung. Beides ist nicht voneinander zu trennen. Es werden Werte vermittelt, Haltungen weitergegeben, Einstellungen geprägt, soziales Lernen wird praktiziert, Selbstwertgefühl herangebildet, Persönlichkeiten geprägt und Wissen vermittelt. Schule braucht ein gutes Schulethos, dem sie sich verpflichtet fühlt, um wirklich gut zu sein.

E&W: Welche Rolle spielt da der Unterricht?
Hendricks: Guter Unterricht ist wichtig, aber er ist nicht alles. Persönliche Ansprache, ein gutes emotionales Klima sowie Interesse am Weiterkommen der Schülerinnen und Schüler befördert die Lernmotivation und verbessert das Schulklima. Lehrerinnen und Lehrer sind wichtige Bildungsmultiplikatoren. Ihre Arbeit ist für die Gesellschaft unerlässlich. In der Schule müssen Kinder und Jugendliche erfahren, dass ihr Lernen hilfreich begleitet, ihre Arbeit wertgeschätzt, ihre Leistung gesehen und gewürdigt wird.

E&W: Vermitteln Eltern ihren Kindern ausreichend den Wert von Schulbildung?
Hendricks: Ja. Bildung hat für viele Eltern einen großen Wert. Auch und gerade die Bildung in der Schule. Immer mehr Eltern sind bereit, für Bildung zusätzlich Geld auszugeben. Allerdings gibt es auch die Eltern, die selber in diesem Schulsystem gescheitert sind. Ihnen müssen wir deutlich machen, welchen Wert Bildung für ihre Kinder hat.

E&W: Registrieren Eltern die zunehmenden Belastungen der Lehrer?
Hendricks: Ja, aber sie haben zu wenig Vorstellung davon, was Lehrer tatsächlich leisten müssen. Wer sich intensiver damit beschäftigt, weiß, dass sich viele Lehrkräfte in einer permanenten Überforderungssituation befinden, die auf Überlastung zurückzuführen ist.

E&W: Worin sehen Sie die Ursachen?
Hendricks: Sie arbeiten mit Kindern zusammen, die sie immer stärker beanspruchen, stehen veränderten Familienverhältnissen und steigenden gesellschaftlichen Anforderungen gegenüber. Zugleich müssen sie immer mehr Erziehungsaufgaben übernehmen.

E&W: Gestehen Eltern Lehrern zu, sich in ihre Erziehung einzumischen?
Hendricks: Ja, wenn sie am Verhalten der Lehrerinnen und Lehrer spüren, dass sie das Beste für ihr Kind wollen.

E&W: Was erwarten Eltern von Lehrern vor allem?
Hendricks: Die Förderung und Bildung ihres Kindes, Fachkompetenz, eine überzeugende Persönlichkeit, Gerechtigkeit und vor allem eine positive Einstellung zum Kind.

E&W: Können Lehrer der Erwartungshaltung der Eltern gerecht werden?
Hendricks: Viele schaffen das dank ihres Engagements und ihres Enthusiasmus’. Generell aber fehlen ihnen die entsprechenden Unterstützungssysteme und zeitlichen Ressourcen. Die hohe Unterrichtsverpflichtung lässt für eine intensive Beschäftigung mit Schülern und Schulentwicklung oft kaum Raum.

E&W: Was kann zu einem besseren Verständnis zwischen Eltern und Schule beitragen?
Hendricks: Schule muss informelle und offene Begegnungsmöglichkeiten für Eltern anbieten. Wichtig ist, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Lehrern und Kindern stimmt. Eine Vertrauenskultur ist für erfolgreiche pädagogische Arbeit Grundvoraussetzung. Aber wie sollen Eltern Vertrauen gewinnen, wenn Kinder z. B. abgestuft werden können?

E&W: Lehrer haben das selektive Schulsystem nicht aufgebaut…
Hendricks: Richtig, Lehrer sind die Leidtragenden des falsch angelegten Schulsystems, das so stark wie nirgendwo sonst auf der Welt aussortiert und damit sozial höchst ungerecht ist. Es gehört endlich auf den Prüfstand.

Interview: Stephan Lüke


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Statements von Schülern und Studierenden

Lehrer spielen zentrale Rolle

Was halten Schüler und Studierende von ihren Lehrern und Professoren? Sind sie zufrieden mit deren Arbeit oder überwiegt Kritik? Eine Befragung von Schülern und Studenten aus Frankfurt am Main.

Gut behütet
Wir sind ein relativ kleiner Studiengang, deshalb geht es bei uns sehr familiär zu. Ich fühle mich von meinen Dozenten gut behütet und auch unterstützt. Als Studierender ist man bei uns mehr als eine Matrikelnummer. Früher habe ich Medizin studiert, da war das ganz anders. Da war der Professor ein anonymes Wesen, mit dem man als Studierender kaum etwas zu tun hatte. Doch egal, ob an der Uni oder Fachhochschule: Man merkt einem Lehrenden schon an, ob er lange im Geschäft ist oder nicht. Wer Erfahrung hat, ist im Umgang mit den Studentinnen und Studenten einfach viel sicherer. Was mir an den Dozenten der Fachhochschule besonders gefällt: Sie sind kritikfähig und nehmen Verbesserungsvorschläge gerne an. Auf der anderen Seite erwarten sie natürlich auch Leistung.
Francesca Peinze (28), Fachhochschule Frankfurt, Studiengang Pflege, 5. Semester

Gutes Zeugnis
Ich würde den meisten unserer Lehrer ein gutes Zeugnis ausstellen. Sie arbeiten nicht stur den Lehrplan ab, sondern sind kreativ, haben Ideen, nutzen neue Medien und machen Ausflüge, um den Stoff anschaulich zu vermitteln. Natürlich gibt es noch Lehrer, die mit ihrem Auftreten den gängi-
gen Vorurteilen von uns Schülern entsprechen: Manche sind faul oder unflexibel und bereiten seit Jahrzehnten den Unterricht auf die immer gleiche Weise vor. Aber diese sind in der Minderheit. Gerade die jungen Lehrer haben an den Schulen frischen Wind reingebracht. Zum Problem könnte allerdings das Zentralabitur werden: Die Lehrer müssen einen bestimmten Stoff abarbeiten, damit wir gut vorbereitet in die Prüfungen gehen. Ich befürchte, für allzu kreative Lehrmethoden könnte dann keine Zeit mehr bleiben. Ich möchte jedenfalls kein Lehrer werden: Man hat es mit überfüllten Klassen zu tun und kann häufig nicht individuell auf die Schüler eingehen.
Fridtjof Ilgner (18), Wöhlerschule Frankfurt, 11. Klasseu

Dialog gewünscht
Ich habe mit den meisten meiner Dozenten gute Erfahrungen gemacht. Sie geben sich Mühe und gestalten ihre Veranstaltungen abwechslungsreich. Das hat allerdings auch seine Nachteile: Je besser der Dozent, desto voller der Hörsaal. Die meisten Professoren stehen regelmäßig vor der Frage, ob sie einfach frontalen Unterricht machen oder ihre Studenten einbeziehen sollen. Im Grundstudium fand ich die klassische Vorlesung besser, mittlerweile aber wünsche ich mir den Dialog mit dem Dozenten. Allerdings sollten die Professoren ihre Studenten nicht wie in der Schule aufrufen. Aller Wahrscheinlichkeit nach werde ich später auch als Lehrer arbeiten. Ich habe mir vorgenommen, ganz unterschiedliche Medien in den Unterricht einzubeziehen. Geschichte kann ein sehr trockenes Fach sein, was man um so spannender darstellen sollte.
Nikolaus Gruß (24), Goethe-Universität Frankfurt, Geschichte (Magister), 5. Semester

Häufig beneidet
Lehrer spielen in unserem Land eine elementare Rolle. Wenn man nur alleine schaut, wie viel Zeit man in seinem Leben mit ihnen verbringt. Ich denke, sie könnten einiges ändern in unserer Gesellschaft. Allerdings tun sie es nicht in dem Maße, wie sie die Möglichkeit dazu hätten. Das liegt auch daran, dass sie nicht die Wertschätzung erfahren, die sie verdienen. Woran das wiederum liegt? Ich denke, Lehrer werden häufig beneidet, weil sie eben mehr Urlaub haben als andere Arbeitnehmer und weil sie es sich in ihrem Job wirklich einfach machen könnten, wenn sie es wollten. Und tatsächlich gibt es ja auch den einen oder anderen schlechten Pädagogen, der zum negativen Image des Berufs beiträgt. Aber wir haben nun einmal nicht Klassen mit 20 Schülern, da ist es schwer, eine positive Grundstimmung zu erzeugen.
Janwillem van de Loo (19), Stadtschulsprecher, Helmholtzschule, 13. Klasse



Unrealistische Ansprüche
Natürlich gibt es auch an der Uni gute und schlechte Dozenten. Nur leider habe ich den Eindruck, dass diejenigen, deren Kurse nicht so prickelnd sind, überwiegen. Bei manchen denke ich sogar, dass sie ihren Frust an uns Studierenden auslassen. Um ein Beispiel zu nennen: Eine Dozentin hat dem ganzen Seminar eine Frage gestellt und als niemand die Antwort wuss-te, hat sie damit gedroht, den Kurs abzubrechen. Ich finde, so ein Verhalten geht einfach nicht. Viele Dozenten haben auch einfach unrealistische Ansprüche. Die meisten Studierenden müssen neben ihrem Studium arbeiten und können sich deshalb nicht so intensiv auf ein Seminar vorbereiten, wie es die Profs erwarten. Generell wird auf die persönliche Situation der Studierenden zu wenig Rücksicht genommen. Ich muss allerdings auch sagen, dass es die Dozenten an der Uni nicht leicht haben. Viele Kurse sind sehr voll, und dann gibt es bei uns noch gravierende Änderungen wegen der Modularisierung unseres Studiums.
Sarah Tolba (21), Goethe-Universität Frankfurt, Deutsch, Geschichte und Philosophie, 2. Semester

Aufgezeichnet von Georg Leppert


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