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/ Jahrgang 2008
/ 11/2008
GesellschaftspolitikE &W: Sie engagieren sich als Botschafterin sehr stark für die Aktion „Kein Platz für Rassismus!“, die jetzt bundesweit gestartet ist. Warum?
Steffi Jones: Diese Initiative drückt das aus, was mir sehr am Herzen liegt. Deswegen bin ich von Anfang an dabei.
E &W: Haben Sie persönlich Erfahrungen mit dem Thema Rassismus gemacht?
Jones: In meiner Kindheit wurde ich manchmal wegen meiner Hautfarbe und meiner krausen Haare gehänselt. Da hab’ ich meine Mama gefragt: Wenn ich mich ganz doll wasche, werde ich dann auch weiß? Meine Mutter war großartig und sagte: Die meisten Menschen legen sich unter die Sonnenbank, um deine Hautfarbe zu bekommen. Und andere zahlen viel Geld, um sich Locken machen zu lassen. Du hast Naturlocken.
E &W: Wie gehen Sie damit um?
Jones: Meine Mutter hat mich stark gemacht. Ich habe aus den Erfahrungen meiner Kindheit gelernt, mit Rassismus umzugehen, und lasse mir von diesen dummen Ignoranten nichts mehr gefallen.
E &W: Was raten Sie anderen, vor allem Kindern und Jugendlichen, wie diese auf rassistische Äußerungen oder Taten reagieren sollten?
Jones: Ich wünsche mir, dass das Umfeld oder die, die das gerade mitbekommen, darauf reagieren und das Kind unterstützen, den Mund aufmachen. Habt Courage und setzt euch ein. Den Betroffenen selbst kann ich nur raten: Dreht euch um und geht!
E &W: Sind Fußballerinnen und Fußballer Vorbilder für Kinder und Jugendliche? Auch gerade bei diesem Thema?
Jones: Prinzipiell sind wir alle Vorbilder. Man sollte sich immer der Aufgabe stellen, jüngeren Menschen Werte zu vermitteln. Ich versuche, Vorbild zu sein und Perspektiven zu vermitteln. Wichtig ist, dass sich jeder selber auch als Vorbild sieht.
E &W: Ist der Fußballplatz ein besonders prädestinierter Ort für Rassismus?
Jones: Zumindest ist er ein Ballungszentrum, in dem sich viele unterschiedliche Menschen treffen. Darunter eben auch rechte Hetzer und Schläger, die das als Plattform nutzen. Wir Spielerinnen und Spieler, Trainer und Betreuer sowie alle anderen Fans sollten diesen Idioten die Rote Karte zeigen!
Interview: Maik Rudolf und
Petra Schildbach, freie Journalisten
* Kein Platz für Rassismus! Bundesweite Aktion gestartet
Die Idee ist einfach – und damit: einfach genial. An den Sportanlagen der Republik soll das Schild „Kein Platz für Rassismus!“ aufgehängt werden. Wer so „Farbe bekennt“, wird in seinem Umfeld Diskussionen auslösen: „Was soll das denn bringen?“, „Warum wir, wir sind doch gar nicht rassistisch“ oder „Wo beginnt Rassismus – sind das wirklich immer nur die anderen?“.
Schulen und Hochschulen, Kommunen, Sportvereine und
-verbände, Profis und Amateure, Lehrkräfte, Schüler und Eltern – alle können sich engagieren. Ausgehend von Frankfurt am Main hat die Aktion in der Region schon viele Unterstützerinnen und Unterstützer gefunden. Der Fußball-Zweitligist SV Wehen-Wiesbaden ist der erste Profi-Club, der das Schild in seinem Stadion aufgehängt hat. Die „Frankfurter Rundschau“, der Schauspieler Peter Lohmeyer, Trainer-Ikone Jürgen Klopp und Spieler wie Patrick Owomoyela und Mohamed Zidan oder die Ex-Profis Karlheinz Körbel und Uwe Bindewald sind mit von der Partie. Jetzt ist der bundesweite Startschuss für die Aktion gefallen.