/ Bildungsbereiche
/ Kindertagesstätten
/ Berufsbild Erzieherin
/ Berufsportraits
Christina Hoppa„Ich habe in Wunstorf die Schule bis zur mittleren Reife besucht. Danach war ich auf der Fachoberschule für Verwaltung- und Rechtspflege. Ich habe die Ausbildung nicht abgeschlossen, sondern stattdessen zwei Jahre eine Berufsfachschule besucht, zum Sozialassistentin zu werden. Anschließend bin ich nach Neustadt am Rübenberge auf die Fachschule für Sozialpädagogik. Ich war 2004 fertig. Ein Anerkennungsjahr musste ich nicht machen.
Als erstes habe ich ein freiwilliges Soziales Jahr in einem Kinderheim gemacht, weil ich nicht gleich eine Stelle finden konnte. Eine feste Stelle bekam ich dann in einer Nachmittagsgruppe in einer Kindertagesstätte. Dort habe ich ein knappes halbes Jahr gearbeitet. Wir waren insgesamt zehn Erzieher/-innen und haben jeweils zu zweit eine Gruppe betreut, also 25 Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Sechzig bis siebzig Prozent der Kinder hatten einen Migrationshintergrund.
Die 25 Kinder hatten sehr unterschiedliche Bedürfnisse, auf die ein gut aufeinander abgestimmtes Team sicher eingehen kann. Aber die Kommunikation innerhalb unseres Teams funktionierte nicht. Ich habe mich schließlich von dem Team getrennt. Mir blieb noch die Kleinkindspielgruppe, die ich schon während meiner Arbeit in der Kita nebenbei an zwei Tagen die Woche geleitet hatte. Die Gruppe ist aus einer Elterninitiative hervorgegangen. Ich habe mit jeweils einer Mutter die Kinder zwischen zwölf Monaten und drei Jahren betreut.
Es dauerte nicht lange, dann konnte ich wieder in einer Kindertagesstätte arbeiten. In Garbsen, als Springerin. Ich bin im Krankheitsfall eingesprungen, immer wieder in anderen Gruppen. Mal einen Monat, mal zwei. Insgesamt hatte die Kita fünf Gruppen, inklusive einer Integrationsgruppe, in der ich als dritte Kraft zwei Monate arbeitete, bevor ich dann wieder arbeitslos war. Ich habe ein Vierteljahr nichts gefunden und dann in einem Hort in Hannover angefangen. Dort war ich fünf Monate, bis März 2006.
Nebenbei habe ich seit Januar auch noch als Honorarkraft in einer Schulintegrationshilfe gearbeitet und ein Kind aus einem Kinderheim betreut. Der neunjährige Junge war sozial auffällig und brauchte Einzelbetreuung. Ich bin vormittags mit in die Schule und nachmittags in den Hort, in dem ich dann seit März zusätzlich angestellt war. Ich war sehr oft auf mich alleine gestellt. Der Junge war ziemlich aggressiv, hat mit Stühlen auf seine Lehrer/-innen geworfen. Ich habe versucht ihn zu beruhigen, habe aber auch den Förderschulunterricht insgesamt unterstützt. Meine Arbeit in der Schulintegrationshilfe lief im Juli 2006 aus.
Seit Anfang August bin ich in Waldhof. Ich arbeite hier in einer Tagesgruppe mit Kindern zwischen sechs und elf Jahren. Ich vertrete eine Kollegin, die im Erziehungsurlaub ist. Wir sind mit zwei Tagesgruppen – unsere Kinder und eine zusätzliche Jugendgruppe – in einem Haus. Es sieht von außen aus wie ein typisches Einfamilienhaus. Immer zwei Personen betreuen eine Gruppe, eine Frau und ein Mann.
Vormittags sind Teamsitzungen, und es fällt eine Menge Organisationsarbeit an. Die Kinder leben zu Hause, werden aber nach der Schule von uns betreut. Einige Schulverweigerer kommen auch schon vormittags zu uns. Eines unserer Kinder muss ich jeden Tag von der Schule abholen und beim Mittagessen und den Hausaufgabenextra betreuen. Am Nachmittag bieten wir für die Kinder verschiedene Aktivitäten an, zum Beispiel Fußball spielen oder Schwimmen. Viele unserer Kinder können nicht schwimmen, wenn sie zu uns kommen und machen bei uns ihre ersten Schwimmabzeichen.
Die Kinder sind verhaltensauffällig. Wir arbeiten viel mit der Jugendhilfe, Therapeut/-innen, Eltern und Lehrern zusammen. Wir versuchen den Kindern einen strukturierten Tagesablauf anzubieten, zu dem Rituale gehören, an denen sie sich orientieren können. Geburtstage, aber auch andere Feste feiern und vorbereiten – etwas, was viele unserer Kinder von zuhause gar nicht kennen – ist ein sehrwichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Wir bieten auch ein Ferienprogramm an, und im Sommer fahren wir für zwei Wochen gemeinsam mit ihnen in den Urlaub.
Ich kann die Aktivitäten mit den Kindern nie genau vorausplanen. Ich weiß nicht, wie die Kinder reagieren, wie sie gerade drauf sind. Besonders nach den Wochenenden habe ich oft das Gefühl, dass ich wieder von Null anfangen muss. Viele Eltern schaffen es nicht, ihren Kindern Strukturen zu bieten, manche schaffen es nicht einmal, sie morgens zu wecken. Sie kommen mit ihrem eigenen Leben nicht klar, weil sie drogensüchtig sind oder andere Probleme haben. Manchmal haben sie einfach auch zu viele Kinder. Sieben, acht, neun, das gibt es immer mal wieder.
Das Jugendamt schickt die Kinder zu uns, wenn ihre Eltern überfordert sind, oder die Kinder zuhause verwahrlosen. Wir fangen viel von dem auf, was andere hilflos macht. Wenn es uns minderbezahlte Kräfte nicht geben würde, würden viele Eltern und Lehrer sicher aufgeben. Wir haben auch einen stationären Bereich, in dem es immer wieder Probleme mit Kriminalität und Drogen gibt, und in dem Kolleg/-innen von den Jugendlichen angegriffen oder Sachen demoliert werden. Und manchmal stauen sich natürlich auch bei unseren Kindern im teilstationären Bereich Aggressionen an, so dass sie anfangen zu schlagen und zu treten.
An uns wird ein sehr hoher Anspruch gestellt. Wir sollen die Kinder in wenigen Wochen wieder ‚hinkriegen’. Dabei muss man sich natürlich Ziele und Schwerpunkte setzen, ich kann die Kinder ja nicht einfach komplett umkrempeln. Manche unserer Kinder schaffen es auch nicht und werden dann vollstationär aufgenommen. Das kann demotivieren. Aber ich sehe das nicht einfach nur als persönlichen Misserfolg. Ich weiß, dass wir diesen Kindern nicht alleine helfen können, dass wir die Eltern brauchen und die Schule. Die müssen bereit sein, mitzumachen. Ich arbeite 29 Stunden und bekomme etwa 1.200 Euro netto.“
Auszüge aus der GEW-Broschüre "Erzieherinnen verdienen mehr - Expertise und Portraits zur Gleichwertigkeit der Tätigkeit von Erzieherinnen und Erziehern mit anderen Fachschulberufen", erschienen im Februar 2007