19.02.2010

Burkina Faso: Gewerkschaftliche Frauenbildung

Mit finanzieller Unterstützung der GEW fand Ende Januar in dem westafrikanischen Staat Burkina Faso zum zweiten Mal ein Frauenseminar für Lehrerinnen der Gewerkschaft SYNTER statt. Die GEW-Kollegin Sabine Tölke-Rückert hat daran teilgenommen.

Am 30. Januar 2010 fand in der burkinischen Hauptstadt Ouagadougou das zweite nationale Frauenseminar der Bildungsgewerkschaft SYNTER statt. Tagungsstätte war das Lehrerzimmer des Gymnasiums ‚Zinda Kaboré’, das nach dem ersten Abgeordneten der ehemaligen Kolonie Obervolta im französischen Parlament benannt ist. Eröffnet wurde die Veranstaltung mit den Klängen und dem kämpferisch-historischen Text der SYNTER – Hymne. Nach offizieller Begrüßung durch den SYNTER-Generalsekretär Mamadou Barro und Verlesung eines Grußwortes der GEW wurde den Gewerkschafterinnen von der SYNTER-Frauenverantwortlichen Fati Ilboudo der gewerkschaftliche Aktionsplan für die nächsten zwei Jahre vorgestellt.

Ein wichtiges Vorhaben ist die Gründung von Frauenkomitees in den größeren Städten Burkina Fasos. Neben weiteren Fortbildungen zu pädagogischen, gewerkschaftlichen und politischen Themen werden die Frauen sich auch für die Unterstützung von Waisenkindern engagieren, damit diese zur Schule gehen können. Durch diese Arbeit will SYNTER Druck auf die Verantwortlichen in Regierung und Verwaltung ausüben und öffentlich deutlich machen, dass die Gewerkschaft deren eigentliche Aufgabe übernimmt. In der Diskussion zeigte sich, dass die Frauen den Aktionsplan einhellig guthießen.

Der zweite Schwerpunkt des Seminars war eine Schulung zu den Strukturen und inhaltlichen Zielsetzungen der SYNTER und des burkinischen Gewerkschaftsbundes CGT-B. Im Anschluss daran informierte Mamadou Barro über das geplante neue Evaluationssystem im öffentlichen Dienst. Danach soll die finanzielle Höhergruppierung der Beschäftigten zukünftig an deren Leistung gekoppelt werden. Das ganze Verfahren ist aus verschiedenen Gründen sehr fragwürdig und wurde unter Führung von SYNTER und dreizehn weiteren Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes scharf kritisiert. Mit Erfolg: Eine Gutachterkommission gab den Gewerkschaften Recht. Momentan liegt das neue System daher erst einmal auf Eis. Doch Barro machte auch deutlich, dass weiterhin Wachsamkeit geboten ist, da die Regierung kaum auf dieses Instrument der Lohnminderung und Knebelung verzichten wird.

Mit den Augen einer Europäerin betrachtet wies das Seminar gewisse organisatorische Mängel auf. Da die Lebenssituation der Menschen (auch der Lehrerinnen und Lehrer) in Burkina Faso aber gekennzeichnet ist von Armut und dem täglichem Kampf ums finanzielle Überleben, war die Teilnahme von 33 SYNTER-Lehrerinnen an diesem Seminar an sich schon ein Erfolg und Ausdruck ihres starken Willens, sich zu informieren und gemeinsam mit ihrer Gewerkschaft Gehör zu verschaffen. Die Frauen dankten der GEW herzlich für ihre solidarische Unterstützung zur Finanzierung des Seminars.

Text und Fotos: Sabine Tölke-Rückert

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