17.11.2009

"Bildungsrepublik" im Ausnahmezustand

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Zehntausende Schülerinnen, Schüler, Studierende und Lehrkräfte beteiligten sich heute mit unzähligen Aktionen am bundesweiten Bildungsstreik. Unterstützung erhielten sie von allen Seiten - auch von der GEW.

"Die Bildungsgewerkschaft erklärt sich solidarisch mit den jungen Leuten", erklärte GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne, "die Bundesrepublik braucht eine Kehrtwende in der Bildungspolitik. Bildungsarmut zu bekämpfen, Chancengleichheit herzustellen und gute Bildung für alle Menschen zu garantieren: Das sind die gesellschaftlichen Herausforderungen, die gelöst werden müssen."

In Bezug auf den Bologna-Prozess verlangte Thöne einen "eindeutigen Kurswechsel“: "Die Studierenden haben schon bei ihren Protesten im Juni den Finger in die Wunde gelegt. Politiker und Hochschulen sahen sich gezwungen, Besserung zu geloben: Konkrete Kurskorrekturen gab es jedoch nicht." Die Länder, so der GEW-Vorsitzende, müssten die Strukturvorgaben für Bachelor- und Master-Studiengänge, die für überladene Studienpläne, Prüfungsstress und die fehlende Durchlässigkeit beim Übergang zum Master verantwortlich sind, auf den Prüfstand stellen.

Rückendeckung erhielten die Bildungsstreikenden jedoch nicht nur von der GEW: Neben dem DGB ünterstützten auch Vertreter von SPD, Grünen und Linken auf Bundes- und Landesebene die Forderungen, beispielsweise nach besserer, gerechterer Bildung für alle oder einer grundlegenden Überarbeitung der Bachelor- und Masterstudiengänge. Verständnis für den Unmut der Schüler und Studierenden äußerten u. a. auch der Wissenschaftsrat (WR), die Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) und die rheinland-pfälzische Kultusministerin Doris Ahnen (SPD).


Große Beteiligung

Nach Angaben des Netzwerks Bildungsstreik protestierten heute rund 90.000 Menschen bundesweit gegen die Missstände an Schulen und Hochschulen. Allein in Berlin seien 12.000 Demonstranten auf die Straße gegangen, in München hätten sich 10.000 an einer Kundgebung beteiligt. Viele Universitäten sind nach Angaben des Netzwerks noch immer besetzt. Die Protestaktionen an den Hochschulen hatten bereits vor rund zwei Wochen in Heidelberg und Münster begonnen, wo Studierende erstmals im Zuge des Herbst-Bildungsstreiks Hörsäle besetzten.

Weitere Aktionen im Rahmen des Bildungsstreiks sollen auch in den kommenden Wochen stattfinden, Abschlussveranstaltung wird eine Demonstration am 10. Dezember anlässlich einer Sitzung der Kultusministerkonferenz in Bonn sein.

10.000 Studierende, Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte beteiligten sich allein in München am Bildungsstreik. (Foto: imago)

Hessen: Lehrkräfte streiken

In Wiesbaden haben heute rund 5.000 Lehrkräfte die Arbeit niedergelegt und an einer Demonstration teilgenommen, zu der die GEW Hessen aufgerufen hatte. Hauptforderung der hessischen Kolleginnen und Kollegen: Absenkung der Pflichtstundenzahl für die Lehrkräfte, Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit für die hessischen Beamtinnen und Beamten, Fortsetzung der Altersteilzeit sowie die zusätzliche Einstellung ausgebildeter Lehrkräfte.

Unterstützt wurden die Lehrkräfte von rund 3.000 Schülerinnen, Schülern und Studierenden, die sich größtenteils bereits zuvor an Bildungsstreik-Aktionen in Frankfurt beteiligt hatten.

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