11.02.2010

Bildung unter Beschuss

Die UNESCO beklagt in ihrem Bericht 'Education under Attack', dass in zahlreichen Ländern der Erde Bildungseinrichtungen, Lehrkräfte, Schüler und Studenten ins Fadenkreuz gewaltsamer Konflikte geraten.

Morde, Entführungen, Verschwindenlassen, Verhaftungen, Folter, Vergiftungen, Vergewaltigungen, Zwangsrekrutierungen, Bomben- und Raketenangriffe, Selbstmordattentate, Brandstiftungen und Plünderungen: All diese Formen von Gewaltanwendung gegen Lehrerinnen und Lehrer, Schüler und Studenten, Schulen und Universitäten führt ein Bericht der UNESCO für die vergangenen drei Jahre auf, der am 10. Februar in New York veröffentlicht wurde. Der in englischer Sprache verfasste Bericht unter dem Titel ‘Education Under Attack 2010: A global study on targeted political and military violence against education staff, students, teachers, union and government officials, aid workers and institutions’ (Bildung unter Beschuss: Eine weltweite Studie zu politischer und militärischer Gewalt gegen Beschäftigte im Bildungswesen, Schüler, Studenten, Lehrkräfte, Gewerkschafter, Regierungsvertreter, Mitarbeiter von Hilfsorganisationen und Institutionen) des Autors Brendan O'Malley beschreibt Entwicklungen und Ereignisse in 32 Ländern im Zeitraum von Januar 2007 bis Juli 2009. Er ist eine Fortsetzung der gleichnamigen Studie, die im Jahr 2007 erstmalig erschienen war.

“Die dramatisch zugenommenen Angriffe in Afghanistan, Indien, Pakistan and Thailand sowie die Gewaltanwendungen bei den plötzlichen Militäroperationen in Georgien und in Gaza gehören zu den beunruhigensten Entwicklungen“, schreibt O'Malley. „Dazu kommen die ungelösten Konflikte in Kolumbien, in Nepal und im Irak sowie die fortgesetzten Übergriffe im Kongo, in Somalia und in Zimbabwe, die Anlass zu großer Besorgnis geben.“ Der Bericht benennt zwei besonders erschreckende Phänomene: „Zum einen massenhafte Entführungen und Indoktrination von Schulkindern in Pakistan und im Irak mit dem Ziel, sie zu Selbstmordattentätern auszubilden; zum anderen die gezielte Tötung von Schülerinnen und Schülern in Afghanistan und anderswo, die so jung waren, dass sie wirklich für niemanden eine politische Bedrohung darstellten. Was haben sie getan, das ihre Mörder so provozierte? Sie sind einfach nur zur Schule gegangen.“

Der 250 Seiten umfassende Bericht beschreibt die ganze Bandbreite der Probleme, die Ursachen und Ziele der Angriffe, ihre Auswirkungen auf Bildung und Entwicklung, die Schutz- und Präventionsmaßnahmen sowie die Kontrollen und die Straflosigkeit. Er enthält außerdem eine Reihe von Empfehlungen sowie einen Anhang mit detaillierten Berichten zur Situation in 32 Ländern. Kaum überraschend für jemanden, der sich mit Menschen- und Gewerkschaftsrechten weltweit beschäftigt, stellt der Bericht fest: “Lehrergewerkschafter sind weiterhin von Ermordungen, unbegründeten Festnahmen, Verschwindenlassen und Folter in Kolumbien, Äthiopien und Zimbabwe bedroht, insbesondere durch staatliche Sicherheitskräfte oder paramilitärische Gruppen.“ Nach Ansicht von O'Malley befindet sich die wissenschaftliche Ursachenforschung der Angriffe auf Bildung noch in einem Anfangsstadium und viele Fragen bleiben unbeantwortet: "So gibt es bisher kaum Untersuchungen dazu, warum bestimmte bewaffnete Gruppen Schulen und sogar Schulkinder als Zielobjekte ihrer Angriffe auswählen und warum so viele Regierungen in ihren eigenen Universitäten Akademiker verfolgen.“

Mit Blick auf den UNESCO Bericht warnt der GEW-Vorsitzende Ulrich Thöne: „Die Angriffe auf Bildungseinrichtungen und auf die Menschen, die in ihnen arbeiten und lernen, stellen eine ernsthafte Verletzung der Menschenrechte dar, insbesondere des Rechts auf Bildung und auf körperliche Unversehrtheit. Sie bedrohen zudem die Verwirklichung des Milleniumziels zum Recht auf Bildung für alle bis zum Jahr 2015.“

Von links nach rechts:
Israel: Schulkinder üben Schutzmaßnahmen bei einem Raketenalarm
Kenia: Durch ethnische Gewalt zerstörte Schule
Haiti: UN-Soldaten sichern ein Schulgebäude

Fotos: Bildungsinternationale




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(Erklärung der Bildungsinternationale)

 

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