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Babylonische Sprachverwirrung Heute fand also die letzte Seminarrunde des Europäischen Sozialforums statt. Im ersten Zeitfenster von 9:30 – 12:30 Uhr bestand noch einmal die Möglichkeit, die eine oder andere Veranstaltung zu besuchen, während ab 14.00 Uhr größere Versammlungen zu einzelnen Themenfeldern stattfanden, darunter auch eine Bildungsversammlung. Der Samstag sollte mit einer Abschlussdemonstration des Sozialforums im Zentrum von Istanbul enden. Bei den Seminaren gab es wieder mehrere sehr interessante Angebote, so dass es mir doch schwer fiel mich zu entscheiden. Letztendlich entschied ich mich dann für das Seminar „Student movement from past to future“. Schon beim Betreten des Seminarraums wurde mir klar, dass die Hauptsprache Türkisch sein würde, da bis auf mich scheinbar alle Anwesenden aus der Türkei stammten. Viele TeilnehmerInnen schienen sogar überrascht jemanden zu sehen, der nicht aus der Türkei kam (dies war relativ leicht an den unterschiedlichen Farben der Teilnehmer-Bändchen zu erkennen). Aber zunächst verzögerte sich der Beginn des Seminars, da noch jemand zu fehlen schien. Nach einer Weile teilte mir dann eine der Organisatorinnen mit, dass man auf eine Übersetzerin für mich warten würde. Da dies jedoch dauerte (und die Übersetzerin am Ende auch nicht mehr erschien), entschieden sich die Veranstalter, mit dem Seminar zu beginnen. Um das Problem meiner fehlenden Türkischkenntnisse zu lösen, fiel ihnen eine recht interessante Lösung ein. Von den drei SprecherInnen auf dem Podium erklärten sich zwei bereit, für mich ins Englische zu übersetzen, was zu der sehr lustigen Situation führte, dass die beiden immer wieder zwischen Podium und meinem Sitzplatz in den hinteren Reihen pendelten. Inhaltlich ging es zunächst um die Entwicklung in der türkischen Jugendszene. Die erste Referentin präsentierte eine von ihr erstellte Studie, nach der die türkischen Jugendlichen immer weniger für die Mitarbeit in festen (hierarchischen) Strukturen bereit sind und wenn überhaupt Projekt bezogen arbeiten würden. Ein anderer Redner wusste zu berichten, dass Jugendliche sich generell immer weniger vernetzen und es ihnen schwer fiele, gemeinsame Ziele zu finden, da jeder individuell sehr unterschiedlich sei und vor allem eigene Interessen verfolge. Als Beispiel nannte er eine Studentin und eine Auszubildende. Um dies zu lösen, müsse man nach gemeinsamen, alle betreffenden Problemen bzw. Aktionsformen suchen. Er verglich dies mit einer Art Neuerfindung des Balls: Mit einem Ball können Menschen in jedem Land weltweit miteinander spielen, egal welcher sozialen Gruppe man angehört. Die dritte Referentin bezog sich schließlich explizit auf die türkischen Studierendenbewegung, die sich erst vor einigen Jahren entstanden ist. Sie berichtete, dass der Organisationsgrad der Studierenden sehr gering sei und man Probleme beim Aufbau von Strukturen habe. Dennoch müsse die Arbeit weiter vorangetrieben werden, um Strukturen wie in anderen europäischen Ländern zu schaffen und die Probleme besser und geschlossener angehen zu können. Die folgende Diskussion hatte dann sehr stark die Studierendenbewegung zum Thema, was auch daran lag, dass inzwischen doch fünf ausländische Gäste anwesend waren und das türkische Publikum sich sehr interessiert an den Systemen und Organisationen in anderen Ländern zeigte. Da alle nichttürkischen Teilnehmer aus Deutschland kamen, musste zunächst einmal die komplizierte deutsche Hochschullandschaft erklärt werden, um dann näher auf die studentischen Strukturen einzugehen. Insgesamt war dies ein sehr interessantes Seminar, das einen regen Austausch nach sich zog.
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Links: Über hundert Personen nahmen an der Versammlung des Bildungsnetzwerks teil
Mitte: Bericht vom Bildungsseminar des russischen ‚Education for all’ movement
Rechts: Bildung nimmt einen wichtigen Platz beim ESF ein
Nach der Mittagspause sollte es dann mit der vom Bildungsnetzwerk des Sozialforums organisierten Bildungsversammlung („Education Assembly“) weitergehen. Mit der üblichen Verspätung von einer halben Stunde fanden sich die TeilnehmerInnen in einem der großen Hörsäle der Technischen Universität ein. Die Besucherzahl belief sich auf etwa hundert Personen, womit bei weitem nicht alle TeilnehmerInnen der beim ESF angebotenen Bildungsseminare anwesend waren. Zunächst stand man auch diese Veranstaltung wieder vor dem babylonischen Sprachproblem. Die Anwesenden wurden daher gebeten, sich getrennt nach Sprachen im Hörsaal zu gruppieren und die ÜbersetzerInnen wurden diesen Sprachgruppen entsprechend zugeordnet. Das Ergebnis war eine spanische, eine französische, eine griechische, eine türkische und natürlich auch eine englische Sprachgruppe. Dies führte jedoch zu ständigem Gemurmel im Saal, was es sehr schwierig machte, der Veranstaltung zu folgen, zumal auch keine Lautsprecher für die Redner vorhanden waren. Begonnen wurde mit Berichten aus den einzelnen Bildungsveranstaltungen des Sozialforums, wobei die verantwortlichen OrganisatorInnen die wichtigsten Inhalte und Ergebnisse noch einmal kurz darstellten. Deutlich wurde, das zahlreiche interessante Veranstaltungen zum Bildungsthemen stattgefunden hatten und Bildung im Europäischen Sozialforum einen wichtigen Platz einnimmt. Im Anschluss folgten Statements von Vertretern verschiedener Organisationen zu einzelnen Seminaren bzw. zu den Bildungsveranstaltungen des Sozialforums insgesamt. Um eine Botschaft nach außen zu senden, sollte schließlich eine Resolution verabschiedet werden. Das diese jedoch nicht schriftlich vorlag und nur verlesen wurde, führte zu heftigem Widerstand in der Versammlung. Da die Zeit schon weit vorangeschritten war und wir für die Abschlussdemonstration des ESF noch einiges vorbereiten mussten, blieb am Ende nur ein Kollege unserer GEW-Delegation bei der Bildungsversammlung, während der Rest sich auf den Weg zum Sammelpunkt der Demo machte.
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Links: Fahrt mit der Metro zur Station Osmanbey
Mitte: Das Helium für die GEW-Luftballons wird angeliefert
Rechts: Die GEW Delegation am Startpunkt der Demonstration
Der Startplatz der Demonstration war kurzfristig noch an diesem Tag verschoben worden. Nun wir doch recht gespannt, wie viele Menschen teilnehmen werden und ob auch alle am richtigen Ort eintreffen würden. Anfangs waren wir durchaus verunsichert, zumal am Ausgangspunkt der Demo an der Metrostation Osmanbey außer uns GEWlerInnen überhaupt keine weiteren DemonstrationsteilnehmerInnen erkennbar waren. Nach und nach fanden sich schließlich doch einige tausend Leute ein. Pünktlich zur Halbzeit des WM-Fußballspiels Argentinien-Deutschland setzte die Demonstration sich in Bewegung. In Begleitung eines großen, mit blauen Kampfuniformen und Maschinengewehren ausgestatteten Polizeiaufgebots lief der Demonstrationszug von Osmanbey zum zentralen Taksim-Platz. Die Demo verlief friedlich und bunt und wurde sicherlich auch von vielen Passanten wahrgenommen. Die großen GEW-Luftballons und unser Transparent ‚Free Quality Education for All’ waren ein toller Blickfang und erregten viel Aufmerksamkeit. Bei Nachfragen zeigte sich jedoch, dass die meisten Menschen in der Stadt nicht wussten, dass das ESF während dieser Tage in Istanbul stattfindet. Insgesamt war die Demo aber ein gelungener Abschluss des Samstags und auch eine schöne gemeinsame Aktion der gesamten GEW-Delegation beim Europäischen Sozialforum.
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Links: Eine türkische Amnestygruppe folgte hinter der GEW im Demonstratonszug
Mitte: Schwer bewaffnete türkische Polizisten steht in einer Seitenstraße in Bereitschaft
Rechts: Tim Lösch ist Sprecher des Landesausschuss der Studentinnen und Studenten (LASS) in der GEW Rheinland-Pfalz
Text: Tim Lösch
Fotos: Manfred Brinkmann, Svenja Tafel, Tülin Trübenbach