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Auf der Suche nachvon Günther Fuchs
"Another world is possible" - diese vier Worte haben mich durch die Tage des Weltsozialforums in Belém begleitet. Und sie haben sich eingeprägt. Dies nicht nur, weil sie in Belem überall auf Plakatwänden und Transparenten unübersehbar in der Stadt zu lesen sind, sondern sie wurden und werden auf dem Sozialforum praktiziert und durch das Einbringen der unterschiedlichen Erfahrungen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Leben erfüllt. Sie sind nicht nur ein Stück Papier, die Menschen sprechen diese Worte immer wieder aus.
"Eine andere Welt ist möglich" - einleuchtend, auffordernd, einladend und scheinbar unbestreitbar. Und doch kommen in mir Zweifel auf, ob diese wohlüberlegten, mächtigen Worte wirklich so eindeutig sind, wie sie erscheinen. Ich beginne zu verstehen, dass die Schlichtheit dieser Worte - dieser Feststellung - ganz unterschiedliche Dimensionen umfasst und eröffnet. Einige dieser Gedanken möchte ich an dieser Stelle benennen:
"Eine andere Welt", verstanden als Synonym für die menschliche Gesellschaft, fordert uns heraus, die Frage nach dem gleichen Recht eines jeden Menschen auf ein Leben in Frieden und sozialer Sicherheit zu stellen. Damit verbunden ist die Suche nach Alternativen zur neoliberalen Globalisierung mit ihren dramatischen Folgen, sind Fragen nach der Verteilung des Reichtums und der Teilhabe aller an den Ergebnissen und Erträgen ökonomischer Prozesse. Es sind die Fragen nach der Zukunft der menschlichen Gesellschaft, des Suchens nach dem "Dritten Weg" zwischen dem heute vorherrschenden Manchesterkapitalismus und dem Kommunismus sowjetischer Prägung, die wir diskutieren und auf die wir Antworten finden müssen. Und plötzlich werden die Probleme, die wir aus den Medien sehr genau zu kennen glauben, sehr praktisch und erlebbar.
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Links: 'Another world is possible' als Souvenir
Mitte: Demonstration auf dem Weltsozialforum
Rechts: Sklavenarbeit - diese Schande werden wir ausmerzen
"Eine andere Welt" wirft zugleich auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit und den Folgen ökonomischer Prozesse auf. Die Ökonomie und ihr wichtigster Bestandteil - die menschliche Arbeit - haben dem Menschen selbst zu dienen. Diese banale Erkenntnis beschreibt das Kontrastprogramm zum Einsatz der Ökonomie als Mittel zur Erwirtschaftung von Maximalprofiten um jeden Preis. Natürlich ist unbestreitbar, dass ökonomische Prozesse ein wichtiger Motor der gesellschaftlichen Weiterentwicklung sind, aber sie sind nicht das Ziel der Veränderung, sondern sie sind ein Mittel zum Zweck. Und dieser Zweck ist die Teilhabe aller an den wirtschaftlichen Erträgen. Dies gilt sowohl für die Verteilung des Reichtums als auch für die Abwägung der ökologischen Folgen und Risiken.
"Eine andere Welt" ist die Suche nach globalen Alternativen. "Eine andere Welt ist möglich" - ja sie muss sozial gerechter, menschlicher, friedlicher, ökologischer sein und werden. Aber in mir entsteht eine neue Dimension und ich beginne mich zu fragen, ob es nicht auch Menschen und Völker gibt, die ihre Welt behalten wollen und dafür kämpfen? Die hier sichtbare Zerstörung des brasilianischen Ur- und Regenwaldes geht einher mit der Zerstörung des Lebensraumes und dem Entzug der Lebensgrundlagen vieler Menschen. Die Überflutung riesiger Gebiete durch den Bau von Staudämmen zur Gewinnung von Elektroenergie durch Wasserkraft führt nicht dazu, dass die davon betroffenen Menschen Strom und Trinkwasser bekommen. Die gewonnene Elektroenergie wird zur Herstellung von Aluminium eingesetzt. Das Aluminium wird nach Europa, in die USA und nach China exportiert. Die Wertschöpfung findet in diesen Ländern statt. Die Gewinne streichen multinationale Konzerne ein. Und wir kaufen die Produkte aus Aluminium und feiern den damit verbunden Fortschritt. Der Verbrauch an Aluminium ist ein Indikator für die Höhe des Lebensstandards in den einzelnen Länder geworden. Den indigenen Völkern des Amazonasgebietes wird dabei ihre Lebensgrundlage entzogen, sie werden vertrieben und ihrer kulturellen Identität beraubt. Sie zahlen den Preis für die Erwirtschaftung der Profite. Und plötzlich werden die Worte "Eine andere Welt ist möglich" nicht nur eine Aufforderung zur Veränderung, sondern sie sind zugleich die dringende Mahnung, die Grundlagen des Lebens zu bewahren und zu erhalten. Diese Worte beschreiben einen langen und konfliktreichen Prozess. Er wird nur gelingen, wenn er zu den Grundfragen der menschlichen Gesellschaft vordringt und neue Antworten friedlich und im Dialog erarbeitet. Er beginnt beim Zuhören und Verstehen der Probleme und er muss demokratisch gestaltet werden. Eine Grundlage dafür ist das Wissen um die Probleme. In diesem Zusammenhang wird das Grundrecht auf gute Bildung für jeden Menschen zum Schlüssel für den Erfolg des Prozesses "Eine andere Welt ist möglich".
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Links: Indios aus dem Amazonasgebiet protestieren gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen
Mitte: Workshop zu Bildung auf dem Weltsozialforum
Links: Treffen der deutschsprachigen Teilnehmer in Belém
Die GEW hat mit ihren Veranstaltungen auf dem achten Weltsozialforum die Fragen der Bildung angesprochen und in die Diskussionen eingebracht. Die große Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und die anregenden und spannenden Diskussionen sind ein Beleg dafür, dass die Forderungen nach freiem Zugang zu guter Bildung und der Gestaltung pädagogischer Prozesse in der Zwischenzeit zum festen Bestandteil des Weltsozialforums geworden sind. Zugleich verstärkt sich die Erkenntnis, dass das Recht auf gute Bildung der Schlüssel zum Gelingen der Veränderung der Welt ist. Vielleicht sollten die Worte "Eine andere Welt ist möglich" um folgende Worte ergänzt werden: "Das Recht auf gute Bildung für alle ist die Vorrausetzung für: Eine andere Welt ist möglich!"
An einer Stelle der Stadt waren neben dem Plakat "Another world is possible" ein anderes zu lesen. In vielen Sprachen der Welt steht geschrieben: "Willkommmen Bürger der Welt". Sinnvoller kann man die Aufforderungen und die Einladung zur Diskussion und Veränderung nicht ausdrücken. Es ist zugleich die Aufforderung, den eigenen Beitrag als Bürger dieser Welt zu leisten.
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Links: Die GEW-Delegation beim Weltsozialforum
Mitte: Willkommen Bürger der Welt
Rechts: Der brandenburgische GEW-Vorsitzende Günther Fuchs schützt sich vor der tropischen Sonne
Fotos: Manfred Brinkmann, Diethild Simon

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