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03.03.2010

Auf dem Weg zu einer GEW jenseits von Alt und Jung

Maik Walm, 29, Sprecher der Jungen GEW, Doktorand Sozialpädagogik, Universität Rostock.

Im Moment ist sein Leben prall gefüllt. Morgens hantiert Maik Walm mit Schnullern, Windeln und Bauklötzen. Erledigt Telefonate, wenn sein Sohn schlummert. Nachmittags, wenn seine Frau von der Arbeit nach Hause kommt, geht er in die Bibliothek. Sitzt am Rechner manchmal bis spät in die Nacht. Anträge stellen, Mails beantworten, Kontakte pflegen. Am Wochenende steigt er in den Zug. Fulda, Magdeburg, Frankfurt. Sitzungen, Versammlungen, Veranstaltungen – für die GEW. Ein strammes Programm. Doch ein Leben ohne politisches Engagement? Walm schüttelt den Kopf. „Das kann ich mir nicht vorstellen.“

Der 29-Jährige hat einen Strauß von Ämtern im Gepäck. Sprecher des Bundesausschusses der Jungen GEW, Mitglied im Landesvorstand Mecklenburg- Vorpommern, Mitarbeit in einem Mitgliederprojekt, das Impulse für den Generationenwechsel geben soll. Wenn man ihn fragt, warum er das macht, bringt er es knapp auf den Punkt: „Ich kann nicht nachvollziehen, wieso die Geburt eines Kindes darüber entscheiden soll, welche Lebensperspektiven ein Mensch in einer Gesellschaft hat.“

Walm weiß das aus eigenem Erleben. Ihm ist der Aufstieg bis zur Uni aus einer Familie ohne akademischen Hintergrund gelungen. Er hat erlebt, wie andere, die „genauso gut waren wie ich“, gescheitert sind. „Nicht wegen mangelnder persönlicher Eignung, sondern aus systemischen Gründen.“ Eine „schreiende Ungerechtigkeit“ und eine Erfahrung, die ihn prägte. Er studierte Sozialpädagogik und streckte die Fühler „nach sinnvoller politischer Arbeit aus“. Das hieß zunächst: Hochschulpolitik, AstAVorsitz. 2004 lernte er darüber die GEW kennen.

Hier fand Walm das, was er immer gesucht hatte: eine starke bildungspolitische Position, ausgerichtet auf Chancengleichheit und Solidarität, eine gesellschaftliche Kraft mit kämpferischer Tradition und internationaler Perspektive. Kurz, eine „Gesamtorganisation mit klugen Menschen, die Gesellschaft verändern will“. Egal ob es um Schulreform oder Tarifpolitik geht.

Und doch fragt er sich manchmal: Geht das alles nicht noch besser? Könnte man gerade Jüngeren die Mitarbeit nicht erleichtern? Wieso etwa werden die Debatten in der Organisation so oft personalisiert statt sachorientiert geführt? Wieso fällt es vielen erfahrenen Kollegen schwer, „uns Junge als Experten unserer Lebenswelt zu akzeptieren“? Und wieso lege die Organisation den Jüngeren so viele Steine in den Weg? „Doch – wie sollen etwa junge Ehrenamtler motiviert mitmachen, wenn eine Landesvorstandssitzung von den älteren Funktionären immer wieder zu Zeiten stattfindet, zu denen die Jungen arbeiten müssen?“, fragt Walm. Warum werde nicht mehr hauptamtlicher Nachwuchs eingestellt, der junge Ehrenamtliche nicht nur organisatorisch unterstützen und ihnen so Raum für die politische Kernarbeit schaffen könne? „Wir Jungen können uns politisch nur schwer entfalten, weil wir neben Examen, Berufseinstieg und Familiengründung eben nur begrenzt Zeit haben“, sagt der junge GEWler. Es dürfe beispielsweise auch nicht sein, dass etwa im DGB-Bundesjugendausschuss alle anderen Gewerkschaften regelmäßig vertreten seien, nur die GEW nicht.

In Gesprächen mit jungen Kolleginnen und Kollegen an der Basis merkt er zudem immer wieder: Die Offenheit für die GEW ist zwar groß, gerade wenn es um konkrete Fragen wie rechtliche Absicherung oder Personalpolitik geht. Gäbe es aber mehr flexible Formen, sich zu beteiligen, zum Beispiel in Projekten, würden sicher mehr junge Leute bei der Bildungsgewerkschaft mitmachen, ist Walm überzeugt. „Aber sich für vier Jahre auf eine ehren- oder hauptamtliche Position verpflichten? Das ist schwer für Menschen, die nicht einmal wissen, wo sie beruflich in vier Jahren stehen.“

Trotzdem ist Maik Walm guter Dinge. „Es bewegt sich etwas in der Generationendebatte“, sagt er und spricht von Annäherung, einer „Öffnung hin zu anderen Lebensperspektiven innerhalb der Organisation“. Statt Alt gegen Jung ginge der Blick jetzt mehr auf gemeinsame Positionen unabhängig vom Alter. Und nur allzu gut hat er noch die Worte einer Mitstreiterin aus der Projektgruppe Mitgliederentwicklung im Ohr: „So ein offenes Diskussionsklima wie in dieser altersgemischten Runde hätte ich mir in den vergangenen 30 Jahren häufiger gewünscht.“

Eine Funktionärskarriere? Maik Walm wiegt den Kopf. Eher nicht! Denn wie kann man ein Berufsleben auf einem Job aufbauen, der von Mehrheitsverhältnissen und Zufällen abhängt? Und da gibt es auch noch seine Leidenschaft für die Pädagogik, die Kinder, die Arbeit mit Menschen. Zunächst kniet er sich in die Promotion. Genießt seinen Sohn. Und überlegt: Wie viel will, wie viel kann ich ehrenamtlich tun, wo setze ich Schwerpunkte in meinem Leben? Denn dass er ehrenamtlich dabei bleiben will, und das mit ganzer Kraft, steht für ihn fest. „Wir sind mitten in einem höchst spannenden Prozess – zu einer GEW jenseits von Alt und Jung.“

Aufgezeichnet von Anja Dilk,
freie Journalistin

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