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15.08.2007

Abiturnoten-Ländervergleich 2005 – kein Grund für bundesweites Zentralabitur

Einen umfangreichen Abiturnoten-Ländervergleich für den Jahrgang 2005 hat das Sekretariat der Kultusministerkonferenz veröffentlicht.

Die / Durchschnittsnoten der Bundesländer liegen zwischen 3,3 in Thüringen und 3,72 in Niedersachsen. Mit diesem geringfügigen Unterschied von weniger als einer halben Notenstufe lässt sich weder ein seriöses Bundesländerranking machen noch ein bundesweites Zentralabitur begründen – sollte man meinen. Die thüringische Landesregierung stört das jedoch nicht. Sie lässt sich durch eine Daten verliebte Presse mit der Schlagzeile feiern „Thüringer Abiturienten sind die besten“. Spiegel-online legt mit der Mitteilung nach „Ostdeutsche räumen die besten Noten ab“. Die Hamburger Bildungssenatorin nimmt den Unterschied von einer viertel (!) Notenstufe zu Thüringen zum Anlass, im Abendblatt ein bundesweites Zentralabitur zu fordern. Hamburgs Abiturienten erreichten einen Notendurchschnitt von 2,55 .

Gleichwohl ist die vermutlich nicht ohne Grund gerade jetzt bekannt gewordene / Notenstatistik der KMK interessant. In Baden-Württemberg und Thüringen, Ländern mit Zentralabitur und den niedrigsten Durchschnittsnoten, fällt auf, dass nur etwas mehr als ein Prozent das / Abitur nicht bestehen, während in Berlin zum Beispiel mehr als acht Prozent nicht zum Erfolg kommen. Sehr bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass in Baden-Württemberg und Thüringen ca. 30 Prozent der Abiturienten mit einem / Notendurchschnitt von 1,9 und besser abgeschnitten haben. Wenn man als Begründung nicht die größere Genialität der Gymnasiasten und ihrer Lehrerinnen und Lehrer in Baden-Württemberg und Thüringen gelten lassen will, bleibt nur, dass die Benotung entweder recht milde war oder leichtere Aufgaben gestellt wurden.
 
Welche Rolle es spielt, wie groß der / Abiturientenanteil an dem jeweiligen Jahrgang ist, ist schwer zu beurteilen. Ein linearer Zusammenhang ist jedenfalls nicht erkennbar. Niedersachsen hat bei einem Abiturientenanteil von nur 22,9 Prozent mit 2,72 fast die gleiche Durchschnittsnote wie Berlin (2,71) mit einen Abiturientenanteil von 34,2 Prozent. Auffällig ist in diesen Ländern jedoch, dass nur knapp über 10 Prozent der Abiturienten einen Notendurchschnitt besser als zwei (1 bis 1,9) erreichten, während in Thüringen und Baden-Württemberg ein Drittel der Abiturientinnen zu den „Spitzenleuten“ gehörten.

In Baden-Württemberg gehörten 2005 stolze 583 Abiturienten zu den „absoluten Überfliegern“ mit / Spitzennote sehr gut und besser, das entspricht 2,3 Prozent. Im Vergleich dazu kommen Berlin und Niedersachsen nur auf kümmerliche 0,3 und 0,4 Prozent in dieser Gruppe. Offenbar wird in diesen Bundesländern strenger benotet als in Baden-Württemberg, wo auch – wie in Thüringen – der Anteil derer, die mit Durchschnittsnote drei und schlechter das Abitur bestanden haben, unter 20 Prozent liegt, während er in Berlin und Niedersachsen doppelt so hoch ist. Und beide Länder haben kein Zentralabitur! Die Meinung, das Zentralabitur sei besonders anspruchsvoll und ein Garant für Qualität, kann nach diesen Zahlen wohl nur als langjährige gut gepflegte Illusion bezeichnet werden.

Marianne Demmer

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