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03.03.2010

1GOAL – Bildung für alle: Globale Bildungskampagne: Schulbesuch für jedes Kind

Bildungsgewerkschaften, Spitzen­sportler, Schulen, Entwicklungs- und Kinderrechtsorganisationen setzen sich im Rahmen der Globalen Bildungskampagne dafür ein, dass Kinder überall auf dieser Erde kostenlos zumindest eine Grundbildung erhalten.

Allmählich wird es knapp: Zwei Drittel der Zeit, um das Millenniumsziel „Bildung für alle“ bis 2015 zu erreichen, sind bereits vergangen. Den Startschuss für das letzte Drittel gibt die weltweite Aktion „1GOAL“ der Globalen Bildungskampagne zur Fußballweltmeisterschaft 2010.

Zur Erinnerung: Im Jahr 2000 hatten in Dakar 180 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen (UN) mit der Verabschiedung der „Education for all“-Ziele anerkannt, dass Bildung grundlegendes Mittel zur Armutsbekämpfung ist. Auch die Bundesregierung verpflichtete sich, ihren finanziellen Beitrag zu leisten, um allen Kindern weltweit den Zugang zu kostenloser Grundschulbildung zu ermöglichen. Bildung für alle: Für dieses Millenium-Ziel engagiert sich die GEW nicht nur national, sondern weltweit – gemeinsam mit neun Kinderrechts- und Entwicklungsorganisationen in Deutschland.

Für die Aktionswochen 2010, die vom 19. April bis zum 31. Juli stattfinden, hat die Kampagne „1GOAL – Bildung für alle“ den Weltfußballverband FIFA als offiziellen Unterstützer gewonnen.

FIFA-Präsident Sepp Blatter stellt sich ebenso wie viele international bekannte Fußballgrößen, darunter Gary Lineker, Zinedine Zidane oder Anthony Baffoe, hinter die Kampagne.

Einmal angenommen, alle Kinder in Westeuropa und den USA im Grundschulalter könnten nicht zur Schule gehen. Unvorstellbar? Diese Bevölkerungsgruppe entspricht ziemlich genau den 72 Millionen Kindern auf der Welt, die keine Chance auf Schule haben. Erschreckend auch eine andere Zahl: Etwa 760 Millionen Erwachsene können nicht lesen und schreiben. Sie sind ausgeschlossen von Bürgerrechten und Teilhabe an Gesellschaft, haben kaum Zugang zum Gesundheitssystem ihres Landes und leben im sozialen Elend. Wie wichtig vor allem der gleichberechtigte Zugang von Mädchen zum Schulbesuch ist, zeigen Untersuchungen, nach denen Kindersterblichkeit und Krankheiten, besonders HIV-Infizierungen, proportional mit jedem Jahr Schulbildung der Mütter abnehmen. Der im Januar veröffentlichte Weltbildungsbericht der UNESCO (s. E &W 2/2010) zeigt jedoch, dass die Weltgemeinschaft von der Verwirklichung der „Bildung für alle“-Ziele noch weit entfernt ist. Zwar sind in den vergangenen zehn Jahren in einigen Ländern, z. B. in Kenia, Fortschritte erzielt worden. Doch viele reiche Industriestaaten kommen ihren finanziellen Zusagen nur schleppend oder gar nicht nach. So verhindern sie, dass in armen Ländern, die sich unter strengen Auflagen verpflichtet haben, einen kostenlosen Schulbesuch zu gewährleisten, Kinder tatsächlich eine Zukunftsperspektive erhalten. Deshalb verlangt die Globale Bildungskampagne gemeinsam mit der UNESCO eine Aufstockung der Entwicklungshilfe für Grundbildung, um die Finanzierung der UN-Bildungsziele sicherzustellen. „Auch die Bundesregierung steht in der Pflicht, das Versprechen von Dakar einzulösen und mehr Geld für Bildung in der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit zur Verfügung zu stellen“, fordert GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne.

Spaß am Fußball nutzen

Die Bildungsgewerkschaft beteiligt sich an den jährlichen Aktionswochen der Globalen Bildungskampagne, etwa der „Größten Unterrichtsstunde der Welt“ 2008 mit Schülern und Bundestagsabgeordneten vor dem Reichstag oder am „Großen Lesen“ im vergangenen Jahr (E &W berichtete), an dem Tausende Schülerinnen und Schüler teilgenommen haben. 30 Millionen Stimmen will die 1GOAL-Kampagne 2010 weltweit sammeln, um ihren Forderungen politisch Nachdruck zu verleihen. Jeder kann mitmachen: Einfach im Internet www.join1goal.org aufrufen, Namen und Land eingeben und mit einem Klick die Stimme für 1GOAL abgeben. Doch das ist nicht alles: Die Weltmeisterschaft in Südafrika und die Freude am Fußball sollen genutzt werden, um das Millennium-Ziel „Bildung für alle“ einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen und für Unterstützung zu werben.

Was kann man noch tun? Beispielsweise können Freundschaftsspiele, Schulmeis­terschaften, Spiele zwischen Politiker-, Gewerkschafts- und Firmenmannschaften unter dem Motto 1GOAL ausgetragen oder Spenden für Bildungsprojekte in Afrika und anderen Entwicklungsländern gesammelt werden. Ulrich Thöne: „Die erste Fußballweltmeisterschaft auf dem afrikanischen Kontinent bietet die Chance einer groß angelegten Solidaritätskampagne für das Recht auf Bildung für alle Kinder dieser Welt.“ Die 1GOAL-Kampagne geht mit der WM in Südafrika nicht zu Ende. Sie soll auch im nächsten Jahr fortgesetzt werden, wenn in Deutschland die Fußballweltmeisterschaft der Frauen stattfindet.

Barbara Geier, GEW Hamburg und
Manfred Brinkmann, Referent für Internationales beim GEW-Hauptvorstand

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