03.05.2010

1. Mai in Istanbul

Erstmalig nach Jahrzehnten haben die Gewerkschaften in der Türkei den 1. Mai wieder auf dem zentralen Taksim Platz in Istanbul feiern können. Die GEW Kollegin Ulrike Behrendt berichtet über eine der weltweit größten 1. Mai-Kundgebungen in diesem Jahr.

Das ist ein Meilenstein: Nach 33 Jahren haben die türkischen Gewerkschaften durchgesetzt, dass der 1. Mai wieder offiziell auf dem Taksim-Platz im Zentrum von Istanbul stattfinden konnte. Mehr als 300.000 Menschen haben diesen Erfolg gefeiert. Damit ist sie europaweit und vermutlich auch weltweit die größte gewerkschaftliche Kundgebung zum 1. Mai 2010 gewesen. Der Taksim-Platz steht in der Geschichte der türkischen Gewerkschaftsbewegung für eine schmerzhafte und blutige Niederlage. Während der Maikundgebung 1977 hat die Polizei brutal auf die dort versammelten Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter geschossen. 37 Menschen starben damals auf dem Taksim-Platz. Überlebende des Massakers haben an der diesjährigen Demonstration teilgenommen und an die Ermordeten von 1977 erinnert. Doch nicht nur aus diesem Grund hat der 1. Mai 2010 für die türkischen Gewerkschaften eine historische Bedeutung. In diesem Jahr haben erstmals alle sechs türkischen Gewerkschaftsbünde die Mai-Demonstration und die Kundgebung gemeinsam vorbereitet und durchgeführt. Bereits in den letzten Monaten hatte sich eine breite Solidarität aller Volksgruppen und Bevölkerungsschichten mit dem Kampf der Beschäftigten des staatlichen Tabakmonopols Tekel um ihre Arbeitsplätze entwickelt.

Großer Erfolg für die Gewerkschaftsbewegung

Wie im letzten Jahr wurden die türkischen Gewerkschaften von einer internationalen Gewerkschaftsdelegation unterstützt, an der sich auch die GEW wieder beteiligte, gemeinsam mit Vertretern und Vertreterinnen von Ver.di, IG BAU, NGG, und der IG Metall. Eine weitere Besonderheit war, dass Repräsentanten aller europäischen und internationalen Gewerkschaftsorganisationen an der internationalen Delegation teilgenommen haben. Aus Sicht der Mitglieder der internationalen Gewerkschaftsdelegation ist dieser 1. Mai ein großartiger Erfolg der türkischen und der internationalen Gewerkschaftsbewegung. Wir hoffen, dass die auf dem Taksim-Platz gezeigte Einigkeit der türkischen Gewerkschaftsbewegung weiter gefestigt und ausgebaut wird. Die Delegationsmitglieder begrüßen ausdrücklich, dass es weder in Istanbul noch bei den Mai-Kundgebungen in anderen türkischen Städten zu Übergriffen der Polizei gekommen ist. Es gab zwar eine massive Polizei-Präsenz in Istanbul. Gleichwohl haben sich die Polizeieinheiten im Hintergrund gehalten und auf Provokationen verzichtet. Das hat ohne Zweifel zum friedlichen Verlauf der Kundgebung beigetragen. Der türkischen Regierung ist zu empfehlen, aus dieser Erfahrung die richtigen Konsequenzen zu ziehen, nämlich den Gewerkschaften und Arbeitnehmern in der Türkei uneingeschränkt die ihnen zustehenden Rechte einzuräumen.

Zahlreiche Gewerkschaften aus Deutschland und Europa nahmen am 1. Mai in Istanbul teil

Text und Fotos: Ulrike Behrendt, GEW Stadtverband Dortmund


Die GEW-Kollegin Ulrike Behrendt mit Kolleginnen und Kollegen der türkischen Bildungsgewerkschaft Egitim Sen



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